Wissenschaft
Neue Gen-Pflanzen sind resistent gegen Gift Dicamba

Forscher haben Sojabohnen eine zusätzliche Erbanlage eingesetzt und damit immun gegen das weit verbreitete Pflanzengift Dicamba gemacht. Damit zeichne sich ein neuer Weg für die umweltverträgliche Vernichtung von Unkraut ab.

dpa WASHINGTON. Forscher haben Sojabohnen eine zusätzliche Erbanlage eingesetzt und damit immun gegen das weit verbreitete Pflanzengift Dicamba gemacht. Damit zeichne sich ein neuer Weg für die umweltverträgliche Vernichtung von Unkraut ab.

Das berichtet eine Gruppe um Mark Behrens von der Universität von Nebraska in Lincoln (USA) im Journal „Science“ (Bd. 316, S. 1 185). Dicamba gilt als umweltverträglich. Nutzpflanzen, die das zusätzliche Gen tragen, bauen das Gift zu einer ungefährlichen Verbindung ab. Unkräuter ohne diese schützende Erbanlage - sie stammt aus einem Bodenbakterium - welken hingegen.

Gegen andere ähnliche Pflanzengifte, die nur Unkräuter töten, gibt es inzwischen Resistenzen. Viele Unkräuter sind gegen das weit verbreitete Glyphosat (Handelsname: Roundup) inzwischen immun. Es war das passiert, was die Medizin bereits mit Penizillin erlebt hat: Mehr und mehr Unkräuter, vergleichbar mit den krankheitserregenden Bakterien in der Medizin, entwickelten Resistenz gegen Glyphosat.

Die neuen Sojabohnen von Behrens und seinen Kollegen überstehen eine Dicamba-Dosis, die von den Kontrollpflanzen nur eine Hand voll vertrockneter Blätter übrig lässt. Die Substanz wird vielfach eingesetzt, ist billig, übersteht im Boden nur kurze Zeit und zeigt wenig oder kaum Wirkungen auf Tiere und Menschen, heißt es in „Science“. Dicamba werde seit 40 Jahren er folgreich eingesetzt, ergänzen die Forscher.

Sie weisen außerdem darauf hin, dass die von ihnen zusätzlich eingeführte Erbanlage in den Chloroplasten der neu geschaffenen Pflanzen wirksam wird. Dies bedeutet, dass das zusätzliche Gen nur von den weiblichen Pflanzen an die Nachkommen weitergegeben wird. Eine Verbreitung über den männlichen Pollen mit dem Wind sei daher nicht zu erwarten. Letzteres ist eines der stärksten Argumente, das von den Gegnern gegen die Gentechnik ins Feld geführt wird.

Behrens und seine Kollegen sehen in ihren neuen Pflanzen hingegen gleichermaßen einen wertvollen Beitrag zur Produktion von Lebensmitteln und zum Umweltschutz. Einige der „Science“-Autoren halten ein Patent auf das neue Verfahren, das bereits vom Biotechnik- Unternehmen Monsanto lizensiert wurde. Sollte diese große Biotechnologie-Konzern damit Geld verdienen, erhalten die Forscher Lizenzgebühren, erklären sie im Anhang ihrer Studie.

In einem Begleittext von „Science“ begrüßt ein US-Experte den Fund der Biochemiker in Amerikas „Kornkammer“ Nebraska als Durchbruch. Allerdings sollten Farmer und Bauern aus dem Glyphosat- oder Roundup- Dilemma lernen, warnt der Autor, und ihre Felder künftig nicht nur mit Dicamba resistenter Saat bebauen. Vielmehr könnten Variationen beider Mittel sowie auch eine wechselnde Ernte dem aus der Medizin bekannten „Penizillin“-Effekt in der Landwirtschaft vorbeugen.

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