Wissenschaft
Neue Klasse von Antibiotika gefunden

US-Forscher haben unter 250 000 Teststoffen eine neue Klasse von Antibiotika gefunden. Der Wirkstoff Platensimycin kann auch resistente Bakterien bekämpfen. Erste Tierversuche verliefen bereits erfolgreich.

dpa NEW YORK/LONDON. US-Forscher haben unter 250 000 Teststoffen eine neue Klasse von Antibiotika gefunden. Der Wirkstoff Platensimycin kann auch resistente Bakterien bekämpfen. Erste Tierversuche verliefen bereits erfolgreich.

Pharmakologen suchen seit Jahren nach einem wirksamen Mittel, das vor allem Gram-positive Staphylokokken und Enterokokken besiegen kann. Diese befallen ausgerechnet in Krankenhäusern ihre Opfer und werden zunehmend widerstandsfähig gegen bisherige Antibiotika.

Jun Wang und Kollegen von den Merck Research Laboratories in Rahway (New Jersey) stellen ihre Entdeckung im britischen Fachjournal „Nature“ (Bd. 441, S. 358) vom Donnerstag vor. Platensimycin repräsentiert eine bisher unbekannte Klasse von Antibiotika.

In den vergangenen 40 Jahren waren nur zwei neue Klassen von Antibiotika auf den Markt gekommen. Platensimycin wirkt sogar auf Staphylokokken, die sich gegen Methicillin zu wehren gelernt haben, und auf Enterokokken, die resistent sind gegen das Antibiotikum Vancomycin.

Platensimycin ist ein Molekül von Streptomyces platensis, einem aus südafrikanischer Erde entnommenen Mikroorganismus. Es blockiert ein wichtiges Enzym, das Acylenzym, das an der Biosynthese von Fettsäuren beteiligt ist. Bisher hat kein anderes Antibiotikum bei der Fettsäure-Synthese gefährlicher Bakterien angesetzt.

In Tierversuchen befreite Platensimycin Mäuse, die im Labor infiziert worden waren, ohne schädliche Nebenwirkungen von dem gefährlichen Bakterium Staphylococcus aureus. Es setzte sich auch gegen eine bestimmte Gruppe der Bakterien Escherichia coli (E. coli) durch. Klinische Versuche an Menschen stehen noch aus.

Kanadische Forscher lobten Merck in einem Begleitartikel für seine fortgesetzte Suche nach einem neuen schlagkräftigen Antibiotikum. Andere Pharma-Firmen hätten diese Suche längst gegen die Entwicklung wesentlich lukrativerer Mittel gegen Krebs und chronische Krankheiten eingetauscht.

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