Wissenschaft
Neuer Ansatz zur HIV-Bekämpfung

Schweizer Forscher haben einen neuen Ansatz zur Bekämpfung des Aidsvirus entwickelt. Das Virus werde dabei dazu gebracht, sich selbst zu zerstören, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

dpa ZüRICH/FRANKFURT/MAIN/. Schweizer Forscher haben einen neuen Ansatz zur Bekämpfung des Aidsvirus entwickelt. Das Virus werde dabei dazu gebracht, sich selbst zu zerstören, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Das Team gaukelte eintreffenden Aidsviren mit Hilfe eines künstlichen Erbgutschnipsels vor, dass bestimmte Viren-Genabschnitte bereits in der Zelle vorlägen. Die Viren zerstörten daraufhin ihre eigene Erbinformation. Die Strategie funktioniere nicht nur in Zellkulturen, sondern auch im lebenden Säugetier.

Der Aidserreger schleust bei einer Infektion sein einzelsträngiges Erbmolekül in das Innere einer Zelle. Diese so genannte RNA wird dort in doppelsträngige DNA „umgeschrieben“. Das ursprüngliche RNA-Molekül wird zerstört, der DNA-Doppelstrang nistet sich im ebenfalls aus DNA bestehenden Erbgut des infizierten Menschen ein. Der nicht mehr benötigte RNA-Strang wird vom Viren-Enzym Ribonuklease H zerstört.

Die Gruppe um Karin Mölling von der Universität Zürich stellte nun einen künstlichen DNA-Strang her und gaukelte dem Virus somit vor, dass sein Bauplan bereits umgeschrieben worden sei. Die Viren- Ribonuklease H zerschnitt daraufhin die Viren-RNA - Das getäuschte Virus beging quasi Selbstmord.

Eine der Eigenschaften, die die Bekämpfung von HIV so schwer machen, ist seine ungeheure Wandelbarkeit. Viele Abschnitte seiner RNA verändern sich sehr rasch. Die Wissenschaftler mussten deshalb für ihre „Schummel-DNA“ einen Abschnitt der RNA wählen, der besonders wichtig ist und deshalb kaum verändert wird.

Die Forscher konnten mit ihrem Ansatz den Einbau des Virus- Erbmaterials in das Zellgenom verhindern. Die Vermehrung des Virus habe sich mit den kurzen DNA-Stücken, sogenannten Oligonucleotiden, stark drosseln lassen, schreiben die Forscher. Die Methode habe auch bei Virentypen gewirkt, die gegen andere Aids-Medikamente bereits immun waren. Zudem könne die Strategie auch für die Bekämpfung anderer RNA-Viren interessant sein. Die Ergebnisse der Schweizer Forscher wurden bereits im britischen Fachjournal „Nature Biotechnology“ (Bd. 25, S. 669) veröffentlicht.

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