Wissenschaft
Neues Verfahren zum Einfrieren unbefruchteter Eizellen

Japanische Forscher haben ein neues Verfahren zum Einfrieren unbefruchteter Eizellen entwickelt.

dpa PRAG. Japanische Forscher haben ein neues Verfahren zum Einfrieren unbefruchteter Eizellen entwickelt. Die „Kryotop“-Methode friert Eizellen innerhalb einer Sekunde von einer Plustemperatur auf minus 180 Grad Celsius ein, und beugt damit vor allem der Bildung von Eiskristallen vor, die bisher die Eizelle oft zerstört hatten.

Das teilte Masashige Kuwayama von der Kato-Frauenklinik in Tokio während der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie in Prag mit.

Die bislang noch experimentelle Methode könnte zum Beispiel bei krebskranken Frauen angewandt werden, hieß es. Sie könnten vor einer Chemotherapie Eizellen einfrieren lassen, diese später auftauen lassen und nach erfolgreicher Behandlung schwanger werden. In Japan entstehe derzeit eine Eizellenbank, ähnlich einer Samenbank, hieß es. In Deutschland ist zwar die Eizellenspende nicht erlaubt, jedoch ist es nicht verboten, eigene Eizellen für die Reproduktionsmedizin zu verwenden.

Prof. Wolfgang Würfel, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, sprach von einem „eindeutigen Schritt nach vorne“. Der Verlust von Eizellen sei mit dem neuen Verfahren wesentlich geringer als bislang - die so genannte Degenerationsrate liege um ein Viertel niedriger. Weil bei jeder Entnahme aber nur wenige Zellen gewonnen würden, sei diese Rate bedeutend. Derzeit würden allerdings nur einige Dutzend Eizellen pro Jahr in Deutschland eingefroren. „Auf das Verfahren werden Krebspatientinnen in Deutschland viel zu wenig hingewiesen“, kritisierte Würfel. Bei Männern sei es vor einer Krebstherapie dagegen selbstverständlich, Spermien einzufrieren.

Bei dem Verfahren werden die Eizellen laut Würfel in flüssigen Stickstoff so rasch eingefroren, dass sich Wasser im Gegensatz zum langsamen Einfrieren fast gar nicht ausdehne. Eine weitere künftige Anwendung sieht Würfel in der „Lifestyle-Medizin“. Frauen könnten dann Eizellen in jüngeren Jahren einfrieren lassen und mit Mitte 40 nutzen.

Der Norweger Arne Sunde von der Universitätsklinik Trondheim sagte auf dem Kongress, Kuwayama stünden in Tokio besondere Bedingungen zur Verfügung: „Es ist fraglich, ob die Methode auch in anderen Kliniken angewandt werden kann.“ Das Verfahren sei noch nicht reif für den breiten medizinischen Einsatz.

Zudem appellierten Wissenschaftler in der tschechischen Hauptstadt an Politiker, den Einsatz von Fortpflanzungstechnologien zur Steigerung von Geburtenraten zu unterstützen. Derzeit hätten europäische Frauen durchschnittlich weniger als zwei Kinder. Demographisch gesehen müsste jede Frau jedoch 2,1 Kinder gebären, damit die Bevölkerungszahl konstant bliebe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%