Wissenschaft
Norweger gesteht umfassenden Forschungsschwindel

Der norwegische Mediziner und Krebsforscher Jon Sudbø hat die Veröffentlichung gefälschter oder frei erfundener Forschungsresultate in drei international angesehenen Fachjournalen gestanden.

dpa OSLO. Der norwegische Mediziner und Krebsforscher Jon Sudbø hat die Veröffentlichung gefälschter oder frei erfundener Forschungsresultate in drei international angesehenen Fachjournalen gestanden.

Wie der Rundfunksender NRK in Oslo am Montag berichtete, reagierte der Wissenschaftler am Radium-Hospital damit auf Vorwürfe zu einem Artikel mit frei erfundenen Forschungsdaten in der britischen Zeitschrift „The Lancet“. Darin hatte Sudbø die angeblich vorbeugenden Wirkung bestimmter schmerzstillender Mittel bei Patienten mit Mundhöhlenkrebs nachweisen wollen. „Lancet“- Chefredakteur Richard Horton hatte den Fall als „beispiellosen Schwindel“ eingestuft und einen Widerruf veröffentlicht.

Sudbø ließ über seinen Anwalt erklären, er schäme sich seiner Handlungsweise und wolle „reinen Tisch machen“. Außer dem Artikel in „The Lancet“ habe er auch eine Veröffentlichung im April 2004 in „The New England Journal of Medicine“ sowie im März 2005 im „Journal of Clinical Oncology“ mit „Angaben oder Schlusssätzen ohne irgendeine Grundlage“ platziert.

Der Krebsforscher werde seit Bekanntwerden der Vorwürfe in einem Osloer Krankenhaus behandelt und sei schwer krank, teilte der Anwalt Erling T. Lyngtveit mit. Als Motiv für das Verhalten seines Mandanten nannte er „Streben nach Ruhm, Ehre und Anerkennung“.

In seinem „Lancet“-Artikel hatte sich Sudbø unter anderem auf angebliche Daten aus der norwegischen Datenbank Conor zu 123 234 Menschen aus den Jahren 1975 bis 1995 berufen. Diese Datenbank wurde jedoch überhaupt erst 1994 eingerichtet. Auch zahlreiche Detailangaben über die Nutzung der Datenbank seien frei erfunden, hieß es am Dienstag in norwegischen Medienberichten.

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