Wissenschaft: Norwegischer Mediziner erfand Krebsforschungs-Daten

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Norwegischer Mediziner erfand Krebsforschungs-Daten

Ein norwegischer Mediziner hat veröffentlichte Daten für die Krebsforschung wahrscheinlich frei erfunden.

dpa OSLO. Ein norwegischer Mediziner hat veröffentlichte Daten für die Krebsforschung wahrscheinlich frei erfunden. Die Studie sei ein aus seiner Sicht beispielloser Fall von Schwindel, sagte der Chefredakteur der Fachzeitung „The Lancet“, Richard Horton, nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der Osloer Zeitung „Aftenposten“.

Das hoch angesehene britische Fachjournal „The Lancet“ hatte im Oktober eine Studie des Krebsforschers Jon Sudbø vom Radiumhospital in Oslo und 13 Mitautoren zur Behandlung von Mundhöhlenkrebs veröffentlicht. Darin erklärten die Autoren, dass dieser Krebsart bei Rauchern durch Einnahme bestimmter schmerzstillender Mittel vorgebeugt werden könne.

Dabei berief sich Sudbø auf Daten der norwegischen Datenbank Conor mit angeblichen Angaben zu 123 234 Menschen aus den Jahren 1975 bis 1995. Durch einen Fachkollegen des Autoren kam nach der Veröffentlichung der Studie ans Licht, dass die genannte Datenbank erst 1994 eingerichtet wurde. Auch zahlreiche Detailangaben über die Nutzung der Datenbank seien frei erfunden, hieß es am Dienstag in norwegischen Medienberichten.

Die Leitung des Radiumhospitals erklärte, man werde umgehend Vorwürfen nachgehen, wonach Krebspatienten wegen dieser Forschungsergebnisse möglicherweise falsch behandelt worden sind. „Wir haben alle unsere nationalen wie internationalen Partner informiert, die von diesem Fall betroffen sind“, sagte Klinikchef Stein Vaaler. Sudbø meldete sich krank und gestattete vollständigen Einblick in seine Forschungsunterlagen durch eine externe Wissenschaftlergruppe.

Lancet-Chefredakteur Horton sagte, sein Blatt habe die eigene Sorgfaltspflicht nicht verletzt. Derartige Betrugsversuche seien nicht immer rechtzeitig zu erkennen. Er könne aber nicht verstehen, warum 13 fachlich versierte Co-Autoren nicht in der Lage oder willens gewesen seien, den Schwindel zu durchschauen. „Dieser Fall ist einzigartig“, meinte Horton. Das Blatt will in seiner nächsten Ausgabe einen Widerruf des norwegischen Artikels veröffentlichen und davon abraten, die darin enthaltenen Angaben für Behandlungs- oder andere Forschungszwecke zu benutzen.

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