Wissenschaft
Ökologische Schäden für arme Länder teurer als Auslandsschulden

Die Industrienationen haben nach einer Analyse von US-Forschern in den vergangenen vier Jahrzehnten weltweit Umweltschäden im Wert von bis zu 47 Billionen Dollar verursacht.

dpa WASHINGTON. Die Industrienationen haben nach einer Analyse von US-Forschern in den vergangenen vier Jahrzehnten weltweit Umweltschäden im Wert von bis zu 47 Billionen Dollar verursacht.

Diese Zeche zahlten zu einem erheblichen Teil die Entwicklungsländer, schreiben die Ökonomen in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (online veröffentlicht). Mit geschätzten 2,2 bis 9,5 Billionen Dollar belasteten die Umweltschäden arme Länder stärker als die Summe ihrer Auslandsschulden von derzeit 1,8 Billionen Dollar.

Bedeutsamster ökologischer Faktor der Rechnung sei der Klimawandel, schreiben die Forscher um Thara Srinivasan von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Dies sei umso brisanter, da er sich - ebenso wie das Ozonloch - global auswirke, mit häufigeren Extremwetterlagen und Stürmen, Überschwemmungen und Dürren als kostenträchtige Folgen. Den Entwicklungsländern würden so Lasten aufgebürdet, die fast ausschließlich von den reichen und den Schwellenländern verursacht wurden.

Die Ökonomen hatten Daten zum „ökologischen Fußabdruck“ der Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer von 1961 bis 2000 analysiert. In diesem Zeitraum verdoppelten sich Bevölkerungszahl und Weltwirtschaftsleistung pro Kopf. Die Forscher nutzten unter anderem Daten der Vereinten Nationen (UN) und der Weltbank. Berücksichtigt wurde der Einfluss intensiver Landwirtschaft, der Abholzung und Überfischung sowie des Verlusts an Mangrovenwäldern, des Ausdünnens der schützenden Ozonschicht und des Klimawandels.

Der ökologische Raubbau verursachte demnach in den vergangenen vier Jahrzehnten Kosten von 8,7 bis 47 Billionen Dollar (6 bis 32 Billionen Euro). Dabei seien die Auswirkungen weiterer, komplexer Prozesse wie des Verlustes von Lebensräumen und Artenvielfalt in diese Rechnung noch gar nicht mit einbezogen, weil sich die Folgekosten in diesen Bereichen nur schwer berechnen ließen, erläutern die Autoren. Die genannte Gesamtsumme stelle deshalb nur einen Minimum dar und liege tatsächlich vermutlich noch viel höher.

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