Wissenschaft
Philosoph Habermas mit Holberg-Preis geehrt

Der deutsche Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas (76) hat am Dienstag im norwegischen Bergen den mit 575 000 Euro dotierten Holberg-Preis entgegen genommen.

dpa BERGEN. Der deutsche Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas (76) hat am Dienstag im norwegischen Bergen den mit 575 000 Euro dotierten Holberg-Preis entgegen genommen.

Der Vertreter der Frankfurter Schule wurde für seine „grundlegenden Theorien über Diskurs und kommunikative Aktion“ ausgezeichnet. Norwegens Bildungs- und Wissenschaftsminister Oystein Djupedal überreichte den zum zweiten Mal vergebene Holberg-Gedenkpreis für herausragende Arbeiten im Bereich der Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften.

Habermas' Arbeiten inspirierten zu neuen Einsichten und vermittelten neue Erkenntnisse durch ihr Verständnis von zwischenmenschlicher Kommunikation und öffentlicher Debatte, sagte Djupedal. Die Preisjury hob hervor, Habermas habe „neue Sichtweisen auf Demokratie und Recht entwickelt“. Mehr als 40 Jahre habe der Wissenschaftler eine führende Rolle in der Theorie der Sozialwissenschaften inne.

In seiner Dankesrede betonte Habermas, es sei eine Freude, dem Zweck des Holberg-Gedenkpreises dienen zu können: „Nämlich dem verblassten Angesicht der humanistischen Fächer aus dem Schatten der etwas glücklicheren Disziplinen herauszuhelfen.“ Habermas wertete den Preis auch als Anerkennung einer ganzen Generation deutscher Philosophen, „die ihre akademische Laufbahn nach dem Zweiten Weltkrieg begann und sich der Herausforderung stellte, den Ruf und die Kraft einer Tradition wieder aufzurichten, deren moralisches Rückgrat gerade erst gebrochen worden war“.

Habermas erinnerte mit Dankbarkeit an die „vorbehaltlose Offenheit, die wir bei Kollegen in Ländern wie Norwegen auch bei denjenigen erlebten, die gute Gründe gehabt hätten, etwas zurückhaltender zu sein“. Dies sei eine große Hilfe und Unterstützung gewesen. Den Namensgeber des Preises, Ludvig Holberg, lobte Habermas als „selbstständigen und furchtlosen Denker“.

Die im Jahr 2003 gegründete Holberg-Stiftung ist nach dem norwegisch-dänischen Gelehrten und Dramatiker Ludwig Holberg benannt, der 1 684 in Bergen geboren wurde. Der 2004 erstmals vergebene Preis ging an Julia Kristeva, Direktorin des Instituts für Text- und Dokumentwissenschaften an der Pariser Universität Denis Diderot.

Mit dem Holberg Preis erhielt Habermas eine weitere wichtige Auszeichnung mehr: Erst im vergangenen Jahr war er für sein Lebenswerk mit dem mit umgerechnet 364 000 Euro dotierten Kyoto-Preis der Inamori-Stiftung des japanischen Kyocera-Konzerns ausgezeichnet worden. Davor hatte er unter anderem den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis (2003) und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2001) erhalten. Habermas nahm auch die Ehrendoktorwürden zahlreicher internationaler Universitäten entgegen.

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