Wissenschaft
Pupillentest: Jeder vierte Autofahrer übermüdet am Steuer

Jeder vierte Autofahrer sitzt übermüdet hinter dem Steuer. Das ist das Ergebnis einer Tübinger Studie, die am Freitag auf der Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen (augenheilkundlichen) Gesellschaft in Berlin vorgestellt wurde.

dpa TüBINGEN/BERLIN. Jeder vierte Autofahrer sitzt übermüdet hinter dem Steuer. Das ist das Ergebnis einer Tübinger Studie, die am Freitag auf der Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen (augenheilkundlichen) Gesellschaft in Berlin vorgestellt wurde.

Eine Arbeitsgruppe der Universität Tübingen hatte dafür eigens einen Test zur Messung der Schläfrigkeit von Kraftfahrern entwickelt.

„99 Prozent der Menschen merken, dass sie müde sind. Doch wie nahe sie am Sekundenschlaf sind, merken sie nicht. Denn das Ausmaß der Müdigkeit entgeht unserer Wahrnehmung“, sagte Barbara Wilhelm von der Tübinger Arbeitsgruppe Pupillenforschung. Viele Fahrer überschätzen demnach ihre Fahrtauglichkeit und reagieren nicht rechtzeitig auf eindeutige Alarmsignale. Wilhelms Rat: Wer am Steuer gähnt, sich die Augen reibt, sich strecken muss und schlechte Laune bekommt, sollte diese Frühwarnzeichen ernst nehmen. Am besten hilft ein kurzer Schlaf und - vorher - eine Tasse Kaffee.

Wilhelms Arbeitsgruppe hat einen Schläfrigkeitstest entwickelt, der die Tätigkeit der Pupillen aufzeichnet und diesen in mehreren Studien an Autobahnraststätten eingesetzt. Im aktuellsten Test wurden 63 Autofahrer zufällig ausgewählt. Sie sollten elf Minuten lang in einem dunklen Raum in die Richtung eines Lichtes blicken, das aus einer Infrarot-Kamera kam. Die Bewegungen der Pupille - ein Maß der Müdigkeit - wurden automatisch ausgewertet. Außerdem füllten die Probanden einen Fragebogen aus, in dem sie unter anderem ihre gefühlte Schläfrigkeit angaben. Fazit: Nur 43 Prozent waren normal wach, jeder dritte war an der Grenze zur Übermüdung, jeder vierte auffallend schläfrig.

„Müdigkeit als Unfallrisiko wird von den meisten Fahrern gefährlich unterschätzt“, fasst Wilhelm zusammen. Das deckt sich mit den Ergebnissen einer österreichischen Studie, die die Schläfrigkeit von 1 180 Laster- und Busfahrern mit einem „Pupillomaten“ gemessen hatte. Weniger als die Hälfte der Kraftfahrer war bedenkenlos fahrtauglich, 30 Prozent waren nur bedingt fahrtauglich, jeder fünfte war zu müde, ein Fahrzeug zu lenken, hieß es auf der Berliner Tagung.

Die Tübinger Pupillentester empfahlen ihren müden Fahrern eine kurze Schlafpause - aber kein einziger nahm die angebotene Motelräume in Anspruch. Einige der Probanden waren gleich während des Tests eingeschlafen.

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