Wissenschaft
Rätsel um Millionen-Preisgeld für Mathematik-Genie

Eine der höchsten Auszeichnungen der Mathematik hat Grigori Perelman bereits abgelehnt, doch wird er auch auf ein Preisgeld von einer Million Dollar verzichten?

dpa MADRID. Eine der höchsten Auszeichnungen der Mathematik hat Grigori Perelman bereits abgelehnt, doch wird er auch auf ein Preisgeld von einer Million Dollar verzichten?

Die umgerechnet fast 800 000 Euro stehen dem 40 Jahre alten Russen nach Meinung von Wissenschaftler-Kollegen zu, weil er eines der „Jahrhundert-Probleme“ der Mathematik gelöst haben soll: Er bewies die so genannte „Poincaré-Vermutung“. So sieht es auch das Clay Mathematics Institute (CMI) in den USA, das den hoch dotierten Preis ausgelobt hat. „Ob er das Geld annehmen wird, können wir nicht sagen“, erklärte Instituts- Präsident Jim Carlson auf dem 25. Internationalen Mathematiker- Kongresses ICM 2006, der am Mittwoch in Madrid zu Ende ging.

Etwas Zeit zum Nachdenken hat der als exzentrischer Eigenbrötler geltende Perelman jedenfalls noch. Das Preisgeld wird erst ausgezahlt, wenn es innerhalb von zwei Jahren in der Fachwelt keine fundierten Einwände gegen seine Beweisführung gibt. „Es gibt keinen Zweifel, dass Perelman bislang als Einziger die Lösung gefunden hat“, sagte Carlson. Einen ernsthaften Fehler in seinen Berechnungen habe bis jetzt auch niemand entdeckt. Er verwies aber darauf, dass Perelman auch von früheren Arbeiten anderer Wissenschaftler, wie denen des US-Mathematikers Richard Hamilton, profitieren konnte.

Der aus St. Petersburg stammende Perelman lebt bei seiner Mutter und soll derzeit arbeitslos sein. Seine in der spanischen Hauptstadt versammelten Kollegen stieß er bereits vor den Kopf als er die mit dem Nobelpreis verglichene Fields-Medaille ablehnte. Das russische Zahlengenie war erst gar nicht zur Preisverleihung nach Madrid gereist. Drei weitere der Medaillen überreichte König Juan Carlos an den Mathematik-Professor Andrej Okounkow von der Princeton- Universität in den USA, Terence Tao von der Universität von Kalifornien in Los Angeles sowie den in Deutschland geborenen Franzosen Wendelin Werner.

„Wenn sich zeigt, dass meine Beweisführung stimmt, brauche ich keine weitere Anerkennung“, hatte Perelman kürzlich in einem Interview gesagt. Die Medaille sei für ihn völlig unbedeutend. Auch Geld soll ihm egal sein. Bei der Poincaré-Vermutung, die der französische Mathematiker Henri Poincaré (1 854-1912) vor rund 100 Jahren aufgestellt hatte, geht es um die Frage, wie die Oberfläche von vierdimensionalen Körpern beschaffen ist. Kurz gefasst lautet sie in etwa: Was kein Loch hat, ist eine Kugel. Von der Antwort erhoffen sich Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Struktur des Universums.

An dem Kongress in Madrid nahmen mehr als 3 000 Wissenschaftler aus aller Welt teil. Bei dem Treffen wurde auch der Wechsel an der Spitze der Internationalen Mathematischen Union (IMU) offiziell vollzogen: Der Ungar Laszlo Lovasz löste den Briten John Ball ab. Der nächste Kongress findet in vier Jahren in Indien statt.

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