Wissenschaft
Räuberischer Pilz in Bernstein entdeckt

Forscher des Berliner Naturkundemuseums haben in 100 Mill. Jahre altem Bernstein einen archaischen fleischfressenden Pilz entdeckt. Der räuberische Pilz stellte Fadenwürmern zur Zeit der Dinosaurier klebrige, ringartige Fallen und verdaute anschließend seine damit gefangene Beute.

dpa BERLIN. Forscher des Berliner Naturkundemuseums haben in 100 Mill. Jahre altem Bernstein einen archaischen fleischfressenden Pilz entdeckt. Der räuberische Pilz stellte Fadenwürmern zur Zeit der Dinosaurier klebrige, ringartige Fallen und verdaute anschließend seine damit gefangene Beute.

„Es war eine passive Falle, die Würmer krochen zufällig in die ausgelegten Schlingen“, erläuterte Forscher Alexander Schmidt vom Naturkundemuseum, das zur Berliner Humboldt-Universität gehört. Entfernt seien die weitläufigen Fanggeflechte der Pilze im Erdboden mit einem Spinnennetz zu vergleichen. Ihre Entdeckung stellen Schmidt und seine Kollegen im Journal „Science“ (Bd. 318, S. 1 743) vor.

„Fossile Pilze sind sehr selten und oft nur im Bernstein zu finden“, sagte Schmidt. Der Bernstein für die jüngste Untersuchung stamme aus dem Südwesten Frankreichs. Vincent Perrichot, ein französischer Humboldt-Stipendiat, habe die Prachtexemplare zur Untersuchung mit nach Berlin gebracht. „Das sind faszinierende Stücke. Im Bernstein sind auch zahlreiche Insekten bis hin zu einer Maulwurfsgrille eingeschlossen“, berichtete Schmidt. Durch die gute Konservierung konnten die Forscher den gesamten Entwicklungszyklus des räuberischen Pilzes zur Kreidezeit nachvollziehen. Sie belegten, dass seine Fallen-Technik bereits zu Zeiten der Dinosaurier ausgeprägt war. Damals war der Pilz Teil des artenreichen, urzeitlichen Bodenökosystems mit vielfältigen Wechselbeziehungen.

Bereits vor 100 Mill. Jahren hätten Pilze dicht unter der Erdoberfläche eine ökologische Nische genutzt, die es heute noch gebe, ergänzte der Wissenschaftler. Die heutigen räuberischen Pilze, die auch in Deutschland im Waldboden oder in manchen Blumentöpfen wüchsen, hätten sich jedoch anders entwickelt und seien nicht mit der Urzeit-Variante verwandt. Die Fangmechanismen bei fleischfressenden Pilzen seien im Verlauf der Erdgeschichte mehrmals unabhängig voneinander entstanden.

Doch auch heute noch gehören Fadenwürmer zu beliebten „Nahrungsergänzungsmitteln“ der fleischfressenden Pilze, besonders in nährstoffarmen Böden. „Diese Pilze sind wichtig für die Bodenökosysteme, weil sie zur Reduzierung der Fadenwürmer beitragen“, erläuterte Schmidt.

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