Wissenschaft: Riesenfledermäuse jagen Zugvögel am Nachthimmel

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Riesenfledermäuse jagen Zugvögel am Nachthimmel

Riesenfledermäuse machen nachts in mehreren hundert Metern Höhe Jagd auf Zugvögel. Viele Singvögel, die im Schutz der Dunkelheit über Europa ziehen, würden besonders während des Herbstvogelzugs leichte Beute des Riesenabendseglers.

dpa SAN FRANCISCO/SEVILLA. Riesenfledermäuse machen nachts in mehreren hundert Metern Höhe Jagd auf Zugvögel. Viele Singvögel, die im Schutz der Dunkelheit über Europa ziehen, würden besonders während des Herbstvogelzugs leichte Beute des Riesenabendseglers.

Das berichten spanische und Schweizer Forscher im Fachblatt „Plos ONE“ (Bd. 2, S. e205). Die mit eindrucksvollen Eckzähnen und bis zu 45 Zentimetern Flügelspannweite ausgestattete Fledermaus habe damit eine einzigartige und hoch spezialisiert Form der Jagd entwickelt, schreiben die Wissenschaftler um Ana Popa-Lisseanu von der biologischen Station Doñana in Sevilla.

Der Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus), die größte europäische Fledermausart, lebt vorwiegend im Mittelmeerraum. Biologen hatten schon vorher vermutet, dass der nachtaktive Jäger außer Insekten auch kleine Vögel auf seinem Speiseplan hat. Dafür untersuchten sie den Kot spanischer Riesenabendsegler. Dabei fanden sie unter anderem Vogelfedern und stellten fest, dass der Anteil im Frühling und Herbst während der Zeit des Vogelzugs zunahm.

Dies lieferte aber noch nicht den endgültigen Beweis, da die Fledermäuse die Federn durch ihr Ortungssystem mit Insekten verwechseln können und sie aus Versehen schlucken. Die Gruppe um Popa-Lisseanu untersuchte daraufhin das Blut der Säuger auf spezifische chemische Merkmale von Zugvögeln und Insekten. Dabei stellte sich heraus, dass die Fledermäuse im Sommer ausschließlich Insekten fressen, und sich während des Frühjahrs- und ganz besonders des Herbstvogelzugs auch von Singvögeln ernähren. Den Grund dafür sehen die Forscher darin, dass im Herbst sowohl Eltern als auch Jungtiere in den Süden fliegen und die Jungvögel auf Grund ihrer Unerfahrenheit leichtere Opfer sind.

Die nachtaktiven Jäger hätten damit eine einzigartige ökologische Nische erschlossen, betonen die Forscher. Andere Fledermausarten und Eulen jagen bei ihren Beutezügen zwar auch Wirbeltiere, lesen diese aber vom Boden oder aus der Vegetation auf. Auf Zugvögel spezialisierte Räuber, wie Falken, sind ausschließlich am Tag aktiv. Die Forscher vermuten, dass sich auch in anderen Gebieten der Welt Riesenfledermäuse auf die nächtliche Vogeljagd spezialisiert haben.

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