Wissenschaft
RLS-Syndrom: Gene für unruhige Beine gefunden

Ein internationales Forscherteam hat genetische Ursachen für Kribbeln und nächtliche Unruhe in den Beinen entdeckt. Jeder zehnte ältere Deutsche leide am so genannten Restless Legs Syndrom (RLS), das oftmals den Schlaf raubt.

dpa MüNCHEN/NEW YORK. Ein internationales Forscherteam hat genetische Ursachen für Kribbeln und nächtliche Unruhe in den Beinen entdeckt. Jeder zehnte ältere Deutsche leide am so genannten Restless Legs Syndrom (RLS), das oftmals den Schlaf raubt.

Das teilte die Max- Planck-Gesellschaft am Mittwoch mit. Das Team um Juliane Winkelmann vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München habe drei Erbgut- Regionen entdeckt, deren Veränderung das RLS-Risiko jeweils um über 50 Prozent erhöhe. Die Krankheit gehöre zu den häufigsten Nervenleiden in Deutschland.

Die Arbeit, an der auch Forscher aus Kassel, Marburg, Göttingen, Wien und Montréal beteiligt waren, präsentiert das US-Fachjournal „Nature Genetics“ (online vorab veröffentlicht). Die entdeckten Gene kontrollieren unter anderem auch die frühe Embryonalentwicklung, so dass eine Entwicklungsstörung als Krankheitsursache nicht ausgeschlossen werden kann.

RLS-Patienten plagt plötzlich auftretender, starker Bewegungsdrang, wenn ihre Beine ruhen. Dies treibt sie besonders abends und nachts zum Aufstehen und Umherwandern, was einen gestörten Schlafrhythmus und Müdigkeit am Tag zur Folge hat. Die Verbreitung der Erkrankung nimmt mit dem Alter zu. In der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren sind laut Max-Planck-Gesellschaft nur vier Prozent betroffen, in der Altersgruppe über 60 steige die Zahl schon auf mehr als zehn Prozent.

Das Forscherteam hatte das Erbgut von 401 RLS-Patienten und 1 644 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Insgesamt wurden 236 000 Genom-Bausteine untersucht. In den identifizierten Erbgutregionen liegen die Kontrollgene namens Meis1, Btbd9, Map2k5 und Lbxcor1. Sie regeln unter anderem die Entwicklung der Beine, der Muskeln und derjenigen Nerven, die Schmerz und Berührung weiterleiten. Das Gen Meis1 steuere zudem die Produktion des Nervenbotenstoffs Dopamin, das bei Bewegungen eine Rolle spielt. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum ein synthetisches Dopamin-Präparat in der RLS-Behandlung hilft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%