Wissenschaft
Saturnmond Titan ähnelt einer Tiefkühlversion der jungen Erde

Der eisige Saturnmond Titan ähnelt in mancher Hinsicht einer Tiefkühlversion der jungen Erde. Das haben die Messungen der europäischen Landesonde „Huygens“ gezeigt, wie sieben verschiedene Forscherteams im britischen Fachjournal „Nature“ von diesem Donnerstag berichten.

dpa LONDON/PARIS. Der eisige Saturnmond Titan ähnelt in mancher Hinsicht einer Tiefkühlversion der jungen Erde. Das haben die Messungen der europäischen Landesonde „Huygens“ gezeigt, wie sieben verschiedene Forscherteams im britischen Fachjournal „Nature“ von diesem Donnerstag berichten.

Auch Wettersysteme, Atmosphärenschichten und sogar Blitze sowie Anzeichen für geologische Aktivität hat die Raumsonde demnach beobachtet. Die Entwicklung ist jedoch in einem frühen Stadium eingefroren, wie die Wissenschaftler erläutern. Die Analysen der „Huygens“-Daten sollten am Mittwochnachmittag auch bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Paris vorgestellt werden.

Die Eiswelt des größten Saturnmonds liegt verborgen unter einer dicken Wolkendecke. Wegen der tiefen Temperaturen - an der Mondoberfläche hat „Huygens“ frostige minus 179 Grad Celsius gemessen - fehlen jedoch flüssiges Wasser und selbst Wasserdampf in der Atmosphäre. Daher ist der urtümliche, Wasserstoff-reiche Zustand seit Jahrmilliarden eingefroren, berichten die Forscher. Unter diesen Bedingungen sind Seen und Bäche aus Flüssiggas statt Wasser möglich.

Solches flüssiges Methan, das als Regen fallen oder aus Eisvulkanen sprudeln könnte, überflutet vermutlich regelmäßig die Titanoberfläche. Darauf deuten zumindest die erdähnlichen Flussbetten und Abflussrinnen, die „Huygens“ während seiner Landung beobachtet hat, wie Forscher um Martin Tomasko von der Universität von Arizona in Tucson argumentieren.

Auch durch die Titan-Luft wabern große Mengen Methangas, aus denen sich unter Einfluss des Sonnenlichts ein dicker, undurchsichtiger „organischer Smog“ bildet. Kohlenstoff- und Stickstoff-haltige Aerosole nieseln als konstanter „organischer Regen“ auf die Mondoberfläche, wie Guy Israel vom französischen Forschungszentrum Cnrs in Verrières le Buisson und Kollegen berichten.

Der Analyse einer Gruppe um Hasso Niemann vom Goddard Space Flight Center der Nasa zufolge deutet jedoch nichts darauf hin, dass das Methangas in der Titanatmosphäre von irgendeiner Form biologischer Aktivität kommt. Stattdessen stammt die Kohlenwasserstoffverbindung vermutlich aus dem Inneren des Mondes und wird über bislang nicht entdeckte Quellen kontinuierlich oder in wiederholten Ausbrüchen freigesetzt. Wie auf der Erde besteht die Titanatmosphäre zum großen Teil aus Stickstoff, der vermutlich wie bei unserem Heimatplaneten mit gefrorenen, Ammoniak-haltigen Kleinstplaneten auf den Mond kam.

Die Datenanalyse könnte noch so manche Überraschung für die Planetenforscher bieten, meint Tobias Owen von der Universität Hawaii, der einen Begleitartikel in „Nature“ verfasst hat.

Die Tandemsonde „Cassini-Huygens“ ist ein amerikanisch- europäisches Gemeinschaftsunternehmen. Die Nasa-Sonde „Cassini“ war nach siebenjähriger Reise im Dezember 2004 in eine Umlaufbahn um den Ringplaneten Saturn eingeschwenkt und hatte die europäische Titan- Sonde „Huygens“ ausgeklinkt. Das Landemodul setzte am 14. Januar 2005 auf dem Saturnmond auf, der mit einem Durchmesser von mehr als 5 000 Kilometern größer ist als der Planet Merkur, und sendete nach dem zweieinhalbstündigen Abstieg noch 69 Minuten lang Daten von der Oberfläche.

Die „Huygens“-Landestelle wurde nach der mythischen Insel auf halbem Weg von Europa nach Amerika Antilia getauft. Dieses Symbol sollte als Inspiration für weitere Gemeinschaftsexpeditionen zum tiefgefrorenen „Echo“ der jungen Erde dienen, meint Owen.

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