Wissenschaft
Sauerstoffmangel erzeugte Trance des Orakels von Delphi

Der Trancezustand der Priesterin Pythia beim berühmten Orakel von Delphi in der griechischen Antike wurde einer neuen These zufolge durch Sauerstoffmangel hervorgerufen. Zu diesem Schluss kommt ein griechisch-italienisches Forscherteam unter Leitung des italienischen Geologen Giuseppe Etiope.

dpa ROM. Der Trancezustand der Priesterin Pythia beim berühmten Orakel von Delphi in der griechischen Antike wurde einer neuen These zufolge durch Sauerstoffmangel hervorgerufen. Zu diesem Schluss kommt ein griechisch-italienisches Forscherteam unter Leitung des italienischen Geologen Giuseppe Etiope.

Das berichtet die Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ (Leinfelden-Echterdingen) in ihrer neusten Ausgabe. Die Forscher widersprechen damit der These amerikanischer Kollegen, wonach aus der Erdspalte unter dem Tempel von Delphi Dämpfe mit Ethylen strömten und den Rauschzustand der Wahrsagerin auslösten.

Die Forschergruppe habe bei ihren Untersuchungen zwar bestätigt, dass noch heute Gas aus den Gesteinsritzen am Golf von Korinth austrete, heißt es in dem Magazin. Doch handele es sich dabei vor allem um Methan, Ethan und Kohlendioxid. Der Ethylen-Anteil sei dagegen viel zu gering, um eine Trance hervorzurufen. Etiope vertrete nun die Meinung, die ausströmenden Gase hätten den Sauerstoffgehalt in der Atemluft stark reduziert. Die „geistige Umnachtung“ der Orakel sprechenden Pythia sei deshalb durch den Sauerstoffmangel verursacht worden.

Das Orakel von Delphi gilt als das wichtigste Orakel im antiken Griechenland und wurde vom 8. Jahrhundert vor Christus an eine wichtige Pilgerstätte. Nach damaligen Glauben bediente sich der Gott Apollo der Seherin Pythia, um durch sie zu Rat suchenden Menschen zu sprechen. Nach Berichten des griechischen Historikers Plutarch saß Pythia während ihrer Weissagungen auf einem Dreifuß über einer Felsspalte, aus der süßliche und betäubende Gase aufstiegen.

Ein Forscherteam um den Geologen Jelle de Boer und den Archäologen John Hale von der Universität Louisville im US-Staat Kentucky hatte im Jahr 2001 im Wasser der einzigen noch aktiven Quelle beim Tempel von Delphi das süßlich duftende Ethylen nachgewiesen. Ethylen wurde noch vor rund 100 Jahren als Narkosemittel verwendet, in geringer Menge eingeatmet ruft es Euphorie hervor, in größeren Mengen kann es tödlich sein.

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