Wissenschaft
Saurierfossil aus dem Harz entpuppt sich als unbekannter Mini-Dino

Saurierfossilien aus einem Steinbruch im Harz haben sich als bislang unbekannte Gattung von Mini-Dinosauriern entpuppt. Die Pflanzenfresser lebten vor 150 Mill.

dpa REHBURG-LOCCUM/LONDON. Saurierfossilien aus einem Steinbruch im Harz haben sich als bislang unbekannte Gattung von Mini-Dinosauriern entpuppt. Die Pflanzenfresser lebten vor 150 Mill. Jahren und wurden kaum länger und schwerer als ein Auto, berichtete der Bonner Paläontologe Martin Sander am Mittwoch im Dinosaurierpark Münchehagen.

„Bei sechs Metern Länge und einer Tonne Körpermasse war Schluss.“ Das „Hanna“ getaufte Fossil entstamme der kleinsten Riesendinosaurierart, die je gefunden worden sei. Zum Vergleich: „Hannas“ nächste Verwandte, die Brachiosaurier, wurden bis zu 45 Meter lang und brachten 80 Tonnen auf die Waage.

Die vor acht Jahren entdeckten Knochen von „Hanna“ und ihren Artgenossen galten bislang als Überreste von Jungtieren. Eine Analyse der Knochenstruktur ergab nun jedoch, dass sie mit großer Sicherheit von bereits ausgewachsenen Dinosauriern stammen. Die neu entdeckte Art sei im Vergleich zu den übrigen Riesendinosauriern ein Zwerg, sagte Sander von der Universität Bonn. „Hanna“ erhält nun zu Ehren ihres Entdeckers Holger Luedtke den wissenschaftlichen Namen Europasaurus holgeri. Die Studie der Forschergruppe um Sander wird an diesem Donnerstag im britischen Fachjournal „Nature“ (Bd. 441, S. 739) veröffentlicht.

An den fossilen Dino-Knochen aus dem Steinbruch am nördlichen Harzrand bei Oker hatten die Wissenschaftler so genannte Wachstumsmarken entdeckt, ähnlich den Jahresringen bei Bäumen. Bei jungen Tieren, die noch schnell wachsen, liegen diese Marken nach Auskunft der Forscher weit auseinander. Hat der Saurier seine Maximalgröße erreicht, rücken die Marken eng aneinander. „Und genau diese dicht gedrängten Marken haben wir knapp unter der Oberfläche der fossilen Knochen entdeckt“, sagte Sander.

Die 150 Mill. Jahre alten Dinosaurierfossilien gehören nach Auskunft des Paläontologen zu einer neuen und weltweit einzigartigen „Insel-Dinosaurier-Gattung“. Damals lagen weite Teile Deutschlands unter Wasser, wie die Bonner Universität schilderte. Nur wenige Inseln, darunter die Region um Oker, erhoben sich über den Meeresspiegel. Während das Wasser stieg, wurde die Nahrung für Dinosaurier als Landtiere knapp. Kleine Tiere, die weniger Nahrung brauchten, hatten somit auch bessere Überlebenschancen. Die Wissenschaftler nehmen an, dass durch diesen Evolutionsdruck die Mini-Dinosaurier entstanden sind.

Der Steinbruch bei Oker gilt als wahres Dino-Dorado. Mehr als 1 000 Saurierfossilen haben Paläontologen seit 1998 dort geborgen und präpariert.

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