Wissenschaft
Schavan erwartet Auswirkungen auf Stammzellendebatte

dpa BERLIN. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) erwartet nach den jüngsten Erkenntnissen zur Reprogrammierung von Stammzellen auch Auswirkungen auf die deutsche Gesetzesdebatte im Frühjahr. „Die Resultate werfen ein neues Licht auf die Diskussion um die Stammzellen“, sagte Schavans Sprecher Elmar König.

Schavan gilt als Befürworterin einer moderaten Verschiebung der strengen Stichtagsregelung im Stammzellengesetz (Stzg). In Deutschland dürfen bei der Forschung nur embryonale Stammzellen eingesetzt werden, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland gewonnen worden sind.

Unterdessen äußerten verschiedene Gegner der Forschung mit embryonalen Stammzellen die Hoffnung, dass durch die neuen Kenntnisse die umstrittene Zerstörung von Embryonen künftig ganz hinfällig wird. Sie reagierten damit auf Meldungen vom Vortag, wonach Forscher in Japan und den USA erstmals menschliche Hautzellen zu einer Art embryonaler Stammzellen zurückprogrammieren konnten. Die Forschung mit adulten Zellen, die aus Haut, Nabelschnur oder Blut gewonnen werden können, ist ethisch unstrittig.

Der Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates in Brüssel, der deutsche Biochemiker Ernst Ludwig Winnacker, warnte dagegen vor voreiligen Schlüssen. „Es wäre natürlich toll, wenn man am Ende diese körpereignen Hautzellen in embryonale Stammzellen umwandeln könnte. Dann bräuchte man die Embryonen nicht mehr“, sagte Winnacker im Norddeutschen Rundfunk. Davon sei man aber noch weit entfernt. Zudem habe sich bei Mäuseversuchen mit diesem Verfahren ein hohes Krebsrisiko gezeigt.

Der Bundestag steht im Frühjahr vor einer neuen Debatte über die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Abgeordnete aus allen Parteien sammeln derzeit Unterschriften für fraktionsübergreifende Gruppenanträge. Ziel ist dabei je nach Position der Erhalt, die Streichung oder eine Verschiebung der Stichtagsreglung im Stammzellengesetz.

Die Forschungspolitikerin der Grünen, Priska Hinz, wandte sich erneut gegen eine Verschiebung. Die neue Methode sei ein weiterer Beweis dafür, dass Forscher mit adulten Stammzellen wesentliche Erfolge erringen können. Ähnlich äußerte sich der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe in der „Frankfurter Rundschau“. „Den Anwälten einer weiteren Liberalisierung“ gingen jetzt die Argumente aus, sagte Hüppe.

Die SPD-Abgeordnete Carola Reimann begrüßte die neuen Erkenntnisse. Dennoch könne die Forschung auf embryonale Zellen „eine geraume Zeit“ noch nicht verzichten. Sie würden vor allem benötigt, um die verschiedenen Forschungen miteinander vergleichen zu können. Die Forschungspolitiker der CDU/CSU-Fraktion, Ilse Aigner und Eberhard Gienger, sagten, vor der Wissenschaft liege „noch ein langer und schwieriger Weg“, bis endgültig auf den ethisch umstrittenen Einsatz von humanen embryonalen Stammzellen verzichtet werden könne.

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