Wissenschaft
Schimpansen nehmen auch unfaire Angebote an

Im Gegensatz zum Menschen nehmen Schimpansen alles, was sie kriegen können - auch wenn sie dabei auf ein unfaires Angebot eingehen müssen. Das haben Versuche mit Affen gezeigt, die Leipziger Verhaltensforscher im Fachmagazin „Science“ (Bd. 318, S. 107) als „eigennützige Ökonomen“ bezeichnen.

dpa LEIPZIG/WASHINGTON. Im Gegensatz zum Menschen nehmen Schimpansen alles, was sie kriegen können - auch wenn sie dabei auf ein unfaires Angebot eingehen müssen. Das haben Versuche mit Affen gezeigt, die Leipziger Verhaltensforscher im Fachmagazin „Science“ (Bd. 318, S. 107) als „eigennützige Ökonomen“ bezeichnen.

Menschen dagegen tun dies nicht: Sie ächten unfaire Angebote, auch wenn sie dabei selbst auf einen Gewinn verzichten müssen.

Die Wissenschaftler um Keith Jensen vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie hatten eine Versuchsanordnung konstruiert, in der je zwei Schimpansen zusammenarbeiten mussten, um insgesamt zehn Rosinen zu erhalten. Nur wenn erst das eine und danach das andere Tier an einem Seil zog, gelangte je ein Futterschälchen in ihre Reichweite.

Die getrockneten Trauben waren in den einzelnen Versuchen unterschiedlich verteilt: Im zu ergatternden Schälchen des einen Affen lagen zwei, fünf, acht oder gar keine Rosine, in dem des anderen entsprechend acht, fünf, zwei oder zehn. Schimpansen können zwar nicht zählen, sind aber in der Lage, Mengenunterschiede einzuschätzen. Dabei arbeiteten die Tiere in fast allen Fällen zusammen - selbst dann, wenn die Rosinen sehr unfair verteilt waren. Lediglich bei keiner einzigen Traube im Schälchen verweigerte der betroffene Affe die Mitarbeit und ließ damit auch seinen Gefährten leer ausgehen.

Der Versuch stellte eine abgewandelte Form des sogenannten Ultimatum-Spiels dar, einem der anerkanntesten Werkzeuge der Wirtschaftswissenschaften. Mit Hilfe des Spiels prüfen Forscher, ob sich Menschen gemäß ökonomischer Modelle verhalten. Einem Probanden wird dabei eine Summe offeriert, die er mit einem zweiten Akteur nach eigenem Gutdünken teilen kann. Sein Mitspieler kann das jeweilige Angebot ablehnen. In diesem Fall bekommt keiner der beiden etwas.

Als „eigennützige Ökonomen“ müsste der Empfänger traditionellen Wirtschaftsmodellen zufolge jeden auch noch so kleinen Betrag annehmen - ein bisschen Gewinn ist schließlich besser als keiner. So hatten sich die Affen verhalten. Versuche zeigten jedoch, dass der Gerechtigkeitssinn des Menschen häufig stärker ist. Liegen die Angebote unter 40 bis 50 Prozent der Gesamtsumme, verzichtet der Empfänger in den meisten Fällen - und straft damit seinen Mitspieler für dessen unfaires Verhalten.

Für Schimpansen seien Fairness und Gerechtigkeit dagegen nicht so wichtig, so lange es überhaupt etwas zu gewinnen gebe, schreiben die Forscher. Das Gespür für unfaire Angebote und die Bereitschaft, Kosten in Kauf zu nehmen, um ein solches Ansinnen abzustrafen, sei vermutlich ausschließlich dem Menschen eigen.

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