Wissenschaft: „Science“: Bush-Regierung lässt Forschung frisieren

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„Science“: Bush-Regierung lässt Forschung frisieren

Die US-Regierung hat der Weltraumbehörde Nasa und der Klimaforschungsbehörde Noaa nach Ansicht des Fachjournals „Science“ in Klimafragen einen Maulkorb verpasst.

dpa ST. LOUIS/WASHINGTON. Die US-Regierung hat der Weltraumbehörde Nasa und der Klimaforschungsbehörde Noaa nach Ansicht des Fachjournals „Science“ in Klimafragen einen Maulkorb verpasst.

Die staatlichen Forscher stünden unter dem Druck der Bush-Regierung, mit Washingtons umstrittener Klimapolitik kollidierende Daten zurückzuhalten, schreibt der Chefredakteur des bedeutendsten amerikanischen Wissenschaftsjournals, Donald Kennedy, in einem Kommentar in der jüngsten Ausgabe seines Blatts vom Freitag.

Kennedy zufolge ignoriert Washington nicht nur schlagende Beweise für die globale Erwärmung durch Treibhausgase wie Kohlendioxid. Vielmehr habe die Regierung Noaa-Forschern, die die Klimapolitik des Weißen Hauses ablehnen, auch den Kontakt mit der Presse verboten. Ebenso müssten die staatlich angestellten Klimaforscher der Noaa (National Oceanic and Atmospheric Administration) ihre Vorträge auf wissenschaftlichen Kongressen zuvor mit Washington abstimmen, schreibt Kennedy.

Unverständlich sei auch, dass die Noaa die zunehmende Intensität von Hurrikanen auf ihrer Website allein mit natürlichen Zyklen begründe, wenn gerade zwei große, in „Science“ und dem wichtigsten Konkurrenzblatt „Nature“ veröffentlichte Studien den Einfluss von Treibhausgasen nachgewiesen hätten. Noch schlimmer als bei der Noaa habe sich der Druck der Bush-Regierung auf die Nasa ausgewirkt, schreibt Kennedy und prangert Washingtons „bürokratische Dummheit“ an.

So sei einer der führenden Nasa-Forscher, James Hansen, nach einer Rede vor der American Geophysical Union in San Francisco im Dezember offiziell vor persönlichen Konsequenzen gewarnt worden. Ein junger Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsabteilung der Nasa habe Hansen außerdem untersagt, zum Rundfunksender NPR zu sprechen, weil dieser „zu liberal“ sei. Der 24-Jährige hatte den Job im Nasa-Hauptquartier bekommen, nachdem er sich 2004 beim Wahlkampf für den US-Präsidenten George W. Bush eingesetzt hatte. Er veränderte angeblich auch wissenschaftliche Veröffentlichungen und täuschte einen Universitätsabschluss vor, gab seinen Posten aber inzwischen freiwillig auf.

Washington richte seine Umwelt- und Klimapolitik nicht an wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen aus, sondern an einzelnen Daten, die ihre Politik unterstützen, empört sich der „Science“- Chefredakteur in dem Kommentar. Er begrüße die Ankündigung von Nasa- Direktor Michael Griffin, „Schluss mit diesem Unsinn zu machen“, schreibt Kennedy, und wissenschaftliche Erkenntnisse ungeschminkt zu veröffentlichen.

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