Wissenschaft
Sehprothese für Blinde in drei Jahren marktreif

Eine neue Sehprothese soll blinden Menschen mit der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa einen Teil des Augenlichts zurückgeben. Ein Prototyp sei erfolgreich bei sechs Patienten erprobt worden, berichteten Forscher aus Aachen, Essen und Marburg am Montag.

dpa AACHEN/BERLIN. Eine neue Sehprothese soll blinden Menschen mit der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa einen Teil des Augenlichts zurückgeben. Ein Prototyp sei erfolgreich bei sechs Patienten erprobt worden, berichteten Forscher aus Aachen, Essen und Marburg am Montag.

Die Entwicklung, die eine schemenhafte Wahrnehmung ermögliche, könne schon in drei Jahren marktreif sein. Mit den jetzt erstmals implantierten, drahtlosen Sehprothesen hätten die Patienten Lichtpunkte wahrnehmen können, erläuterte der Direktor der Aachener Universitätsaugenklinik Prof. Peter Walter. Das System werde im nächsten Schritt mit einer Kamera gekoppelt, die per Funk Bildsignale an das Implantat sende.

„Der Patient kann damit rechnen, ein minimales Sehvermögen zu bekommen“, sagte Walter. Er werde nicht lesen, aber Hindernisse im Raum erkennen können. Diese Fähigkeit werde ihm das Leben erleichtern.

Bei Retinitis pigmentosa sterben die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut langsam ab. Sie können keine visuellen Reize mehr aufnehmen und an die Sehnerven weiterleiten. Erste Anzeichen für eine Erkrankung sind der Verlust des Farb- und Kontrast-Sehens, Nachtblindheit und Tunnelblick.

Die Prothese wurde in die Augenlinse implantiert. 25 Elektroden wurden mit kleinen Titanstiften auf der Netzhaut fixiert. Dadurch würden Nervenzellen stimuliert, die zum Sehnerv führen, sagte Projektleiter Prof. Wilfried Mokwa.

Alle Patienten waren seit mehreren Jahren erblindet. Während einer vierwöchigen Testphase untersuchten Spezialisten der Universität Marburg die Netzhaut mit elektrischen Testreizen. Alle Patienten konnten Lichtpunkte erkennen.

Im nächsten Schritt wird eine kleine Videokamera und ein sogenannter Encoder in eine Brille eingebaut. Der Encoder rechnet die Bildinformationen in Signale um, die die Nerven verstehen. Die Signale werden an die Elektroden des Implantats gesendet und darüber an den Sehnerv. Der bisherige Prototyp hat 25 Elektroden. Das Folge- System soll mit bis zu 400 Elektroden sehr viel mehr Informationen aufnehmen können. Die Sehfähigkeit hänge aber stark davon ab, wie viele Netzhautzellen noch intakt seien. Patienten müssten das Sehen wieder lernen.

Verschiedene Gruppen weltweit arbeiten an Netzhautprothesen, auch andere Prototypen wurden bereits getestet. Nach Angaben der Fachleute wurde nun zum ersten Mal ein drahtloses und für den Patienten risikoärmeres Implantat entwickelt. Das Infektionsrisiko sinke dadurch. Das Bundesforschungsministerium förderte das Projekt seit 1995 mit 17,5 Mill. Euro.

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