Wissenschaft
Stammzellen aus Hoden zu Herzzellen umprogrammiert

In den Hoden haben Forscher eine gute Quelle zur Gewinnung körpereigener Stammzellen erschlossen. Eine Forschergruppe aus New York berichtet im britischen Fachmagazin „Nature“ (Bd. 449, S. 346) vom Donnerstag über ihren Erfolg im Tierversuch.

dpa LONDON. In den Hoden haben Forscher eine gute Quelle zur Gewinnung körpereigener Stammzellen erschlossen. Eine Forschergruppe aus New York berichtet im britischen Fachmagazin „Nature“ (Bd. 449, S. 346) vom Donnerstag über ihren Erfolg im Tierversuch.

Shahin Rafii vom Weill Cornell Medical College und seine Kollegen haben Sperma- Vorläuferzellen aus Mäuse-Hoden in Mäuse eingesetzt, wo sie zu funktionierenden Blutgefäßen und zudem zu Herzgewebe heranwuchsen, das sich sogar zusammenziehen konnte.

Männliche Hoden könnten „eine einfach verfügbare Quelle für Stammzellen sein mit der gleichen Kapazität, neues Gewebe zu erschaffen wie embryonale Stammzellen“, sagte Rafii. Derzeit liefen die ersten Versuche mit Zellen aus menschlichen Hoden. Für Frauen kann Rafii vorerst wenig Hoffnung machen. Stammzellen aus Eierstöcken zu gewinnen sei weitaus schwieriger. Eizellen gibt es nicht nur viel weniger, sie vermehren sich auch nicht mehr weiter.

Für ihre nun in „Nature“ publizierte Studie verwendeten die New Yorker Forscher Vorläuferzellen sogenannter Spermatogonien - einen Zelltyp, der im Hoden Spermien produziert und dafür permanent im Stadium einer Stammzelle erhalten bleibt. Dass diese Zellen sich gut eignen, Stammzelllinien zu gewinnen und damit auch andere Zelltypen als Spermien zu züchten, war bekannt. Allerdings scheiterten die Forscher bislang meist daran, eben jene Zellen zu identifizieren und zu isolieren.

Das gelang Rafii jetzt dank eines besonderen Moleküls, das nur auf der Oberfläche von Zellen vorkommt, die die Fähigkeit haben, sich selbst zu erneuern. Auf der Oberfläche von Keimzellen, die bereits ausdifferenziert sind, kommen sie nicht vor. Setzten die Forscher die Stammzellen in ganz frühe Embryonen (Blastozysten) ein, dann wuchsen die Zellen zu vielen Arten von Gewebe heran.

In Düsseldorf hatten Stammzellen aus dem eigenen Knochenmark kürzlich einem Herzkranken nach Forscherangaben das Leben gerettet. Die Forscher wollen den Fall an diesem Freitag in einer in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift vorstellen.

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