Wissenschaft
Stammzellen aus Mäusehoden: Alternative zu Embryo-Zellen?

Aus Mäusehoden gewonnene Stammzellen können sich nach Versuchen deutscher Forscher zu Vorstadien vieler verschiedener Gewebe entwickeln. Sie könnten daher möglicherweise einmal die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen ablösen, hofft das Team um Gerd Hasenfuß von der Universität Göttingen.

dpa GöTTINGEN/LONDON. Aus Mäusehoden gewonnene Stammzellen können sich nach Versuchen deutscher Forscher zu Vorstadien vieler verschiedener Gewebe entwickeln. Sie könnten daher möglicherweise einmal die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen ablösen, hofft das Team um Gerd Hasenfuß von der Universität Göttingen.

Die Stammzellen entwickelten sich im Laborversuch beispielsweise in Leber- und Nervenzellen, wie die Forscher in einer Vorabveröffentlichung des Fachjournals „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04697) berichten.

„Diese Hodenzellen sind fast identisch mit den embryonalen Stammzellen“, erläuterte Hasenfuß am Freitag. Es könne jedoch kein Embryo daraus entstehen. Da zudem auch kein Embryo für die Technik zerstört werde, könnte das Verfahren eine gute Alternative für die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen werden, sofern es sich auf den Menschen übertragen lässt.

Im Laborversuch entstanden laut Hasenfuß aus den Hoden-Stammzellen Verbände aus Herzzellen, die sich regelmäßig zusammenzogen und Nervenzellen, die den Nervenbotenstoff Dopamin produzierten, der Parkinson-Patienten fehlt. Zudem seien unter anderem Blutgefäßzellen, Hautzellen und Leberzellen entdeckt worden.

Das Team markierte in einem weiteren Versuch die aus den Hoden gewonnen Stammzellen blau. Anschließend injizierten die Forscher die Zellen in frühe Embryostadien (Blastozysten) von Mäusen. Gewebe aus diesen Zellen fand sich laut Hasenfuß später in allen untersuchten Organen der Tiere. Dieser Versuch habe nur als Beweis für die Fähigkeiten der Zellen gedient, nicht aber als therapeutischer Ansatz.

Ziel sei nun, diese Hoden-Stammzellen bei Männern zu gewinnen. Zur Therapie von Frauen gibt es laut Hasenfuß zwei Optionen: Erstens enthielten auch die Eierstöcke Stammzellen, die noch Eizellen während des Lebens bilden. Sie seien allerdings schwer zu gewinnen. „Eine andere Option wäre es, die immunologischen Eigenschaften der männlichen Zellen so zu verändern, dass sie auch auf andere Menschen übertragen werden könnten.“

Es sei bereits mehreren Forschern gelungen, aus Stammzellen von Erwachsenen Gewebe der Leber, der Muskeln, der Nerven oder des Herzens zu gewinnen. „Nun haben wir aber erwachsene Stammzellen, mit Entwicklungsmöglichkeiten in alle Gewebe, was bislang nur bei embryonalen Stammzellen bekannt war“, betont Hasenfuß. Die Zellen konnten zudem sogar in erwachsenen Tieren überleben. Die Hoden- Stammzellen sind pluripotent, sie können sich also in zahlreiche Gewebe, aber nicht mehr zu einem vollständigen Embryo entwickeln.

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