Wissenschaft
Stammzellen-Therapie: Neue Hoffnung für Infarkt-Patienten

Stammzellen aus dem Knochenmark bringen neue Hoffnung für Herzinfarkt-Patienten. Weltweit erstmals hatten Ärzte in der Düsseldorfer Universitätsklinik einem Herzschock-Patienten mit Stammzellen aus seinem eigenen Knochenmark das Leben gerettet.

dpa DüSSELDORF. Stammzellen aus dem Knochenmark bringen neue Hoffnung für Herzinfarkt-Patienten. Weltweit erstmals hatten Ärzte in der Düsseldorfer Universitätsklinik einem Herzschock-Patienten mit Stammzellen aus seinem eigenen Knochenmark das Leben gerettet.

Andere Therapien hatten keinen Erfolg bei dem Patienten, dessen Herz kaum noch Blut pumpen konnte. „Dies ist ein Schlüsselloch-Fall, der zeigt, dass die Forschung mit adulten Stammzellen wichtig ist“, sagte Prof. Bodo-Eckehard Strauer, Direktor der Klinik für Kardiologie, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am Freitag publizierten Strauer und sein Kollege Michael Brehm den vor einer Woche bekannt gewordenen Fall in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ (Bd. 132, S. 8). Der Göttinger Herzspezialist und Stammzellexperte Prof. Gerd Hasenfuß warnte vor übertriebenen Erwartungen: „Das ist eine Einzelfallbeobachtung.“

Dass eine Stammzelltherapie möglicherweise Herzinfarkt-Patienten helfen kann, ist bekannt. Bereits 2005 war auf dem Kongress der amerikanischen Herzgesellschaft in Dallas eine Studie vorgestellt worden, an der 16 deutsche und eine Schweizer Herzklinik mitgearbeitet hatten. Mehr als 200 Patienten mit einem Herzinfarkt waren mit körpereigenen, aus dem Knochenmark der Patienten gewonnenen Stammzellen behandelt worden. Dies führte nach Angaben der federführenden Frankfurter Universitätsklinik zu einer „bis zu dreifach verbesserten Erholung der Pumpfunktion des Herzens“.

Prof. Hasenfuß sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, er sei generell „ein großer Optimist, dass die Stammzelltherapie mittel- und langfristig für Herzinfarktpatienten etwas bringen kann“. Derzeit müsse man mit generellen Aussagen aber noch vorsichtig sein. Inzwischen lägen weltweit sechs relevante Studien über Stammzelltherapie nach Herzinfarkt vor. „Insgesamt spricht die Datenlange dafür, dass es zu geringen Verbesserungen kommen kann, aber die große Studie, dass es auch die Überlebensrate verbessert, steht noch aus“. Daher würde er vorsichtig sein mit der Aussage, dass die Stammzellen dem Patienten das Leben gerettet haben. „Die Kausalität ist nicht bewiesen.“

Auch in Düsseldorf seien seit dem Jahr 2001 mehr als 300 Herzinfarkt-Patienten mit der Stammzellen-Methode behandelt worden - allerdings habe es sich jeweils um weniger schwere Fälle gehandelt, in denen die Patienten bei Bewusstsein waren, sagte Strauer. Die Therapie führe dazu, dass der kaputte Herzmuskel wieder aufgebaut werde. Die Knochenmarkszellen wandelten sich in Muskelzellen um oder regten deren Wachstum an.

Der 64 Jahre alte Düsseldorfer Patient hatte nach einem schweren Infarkt einen sogenannten kardiogenen Schock erlitten. „Der Mensch ist praktisch nicht mehr lebensfähig, das Herz kann nicht mehr pumpen“, erläuterte Strauer. Eine Beatmungstherapie mit einem künstlichen Herzen und Medikamente schlugen nicht an. Nach 44 Tagen entschlossen sich die Ärzte nach Rücksprache mit den Angehörigen als letzte Möglichkeit zu einer Stammzellen-Transplantation.

Bei dem von Strauer entwickelten Verfahren wurden Stammzellen aus dem Knochenmark des Patienten entnommen und mit einem Ballonkatheter in die vernarbte Stelle der Infarktarterie gespritzt. Neun Tage später habe der 64-Jährige wieder selbstständig atmen können, die Pumpleistung des Herzens habe sich auf 28 Prozent erhöht. Die Verbesserung ist nach Ansicht von Strauer auf die Stammzellen-Therapie zurückzuführen, denn eine Selbstheilung bei einem solchen Krankheitsbild sei „höchst unwahrscheinlich“. Hasenfuß hält das hingegen durchaus für möglich. Die Behandlung könne bei jedem Patienten mit schwerem Herzschock durchgeführt werden, sagte Strauer.

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