Wissenschaft
Staupe-Virus bei Waschbären gefunden

Forscher haben an der Mecklenburgischen Seenplatte erstmals in Europa die Viruskrankheit Staupe beim Waschbär nachgewiesen. „Das Virus wurde bei acht toten Fähen (Weibchen) in einem kleinen Revier im Gebiet Serrahn des Müritz-Nationalparks gefunden“.

dpa HOHENZIERITZ. Forscher haben an der Mecklenburgischen Seenplatte erstmals in Europa die Viruskrankheit Staupe beim Waschbär nachgewiesen. „Das Virus wurde bei acht toten Fähen (Weibchen) in einem kleinen Revier im Gebiet Serrahn des Müritz-Nationalparks gefunden“.

Das sagte der Leiter des Forschungsprojekts „Waschbär“, Frank- Uwe Michler, am Freitag während einer Tagung in Hohenzieritz (Mecklenburg-Strelitz). Die Staupe ist für Menschen ungefährlich, kann aber tödlich für Hunde, Fischotter und marderartige Tiere sein. Tests bei weiteren Waschbären hätten ergeben, dass diese Antikörper gegen die Krankheit gebildet hatten. Die acht tot gefundenen Tiere seien an der Staupe gestorben.

In Deutschland gibt es zwei Waschbärpopulationen. Die Tiere haben sich von Kassel in Hessen aus in Nachbarregionen ausgebreitet. Im Osten besiedelten Waschbären von einer Farm östlich von Berlin aus ab 1945 Brandenburg und den Nordosten. Michler erwartet, dass sich der Waschbär (Procyon lotor) trotz der Staupe in Deutschland und speziell im seen- und waldreichen Nordosten weiter ausbreiten wird. An der Seenplatte fänden die Tiere ideale Lebensbedingungen. „Die sumpfigen Flachwassergebiete sind wie Supermärkte für Waschbären“, sagte der Forscher. Die Waschbären-Dichte an der Müritz sei mit vier bis sechs Tieren auf 100 Hektar doppelt so hoch wie in Mitteldeutschland.

„Die Bedingungen sind so gut, dass die Waschbären, die sonst auf Bäumen schlafen, hier im Sommer zu knapp 70 Prozent sogar am Boden ruhen“, sagte Michler. Dazu nutzten die Allesfresser vor allem die sumpfigen Regionen, wo sie auf Wurzeltellern, umgestürzten Bäumen oder niedergedrücktem Schilf schliefen, ohne Angst vor Feinden haben zu müssen. Wegen des guten Nahrungsangebots bräuchten die Tiere auch nur etwa halb so große Reviere wie in Hessen. Waschbären besetzten eine Nahrungsnische, weil sie mit ihren „hochsensiblen Vorderpfoten wie mit Händen den Boden absuchen, auch im Flachwasser, und Larven von Insekten und Amphibien vertilgen“.

Das Waschbären-Forschungsprojekt läuft seit 2006 im Müritz- Nationalpark. Es wird von der Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz (GWN) Göttingen zusammen mit dem Nationalpark umgesetzt. Dazu werden Waschbären gefangen, mit Sendern versehen und telemetrisch verfolgt sowie mit Fotofallen beobachtet. Bis 2009 sollen so erstmals umfangreiche Daten zur Verbreitung des Waschbärs in der Region, zu seiner „Speisekarte“ und zu den Auswirkungen auf andere Tierarten zusammengetragen werden.

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