Wissenschaft
Studie: Jährlicher Scan kann Lungenkrebs früh entdecken

Eine umstrittene US-Studie zeigt, dass eine jährliche Röntgenuntersuchung viele Lungenkrebsfälle im Frühstadium entdecken kann, die dann noch eine vergleichsweise hohe Heilungsrate haben.

dpa BOSTON/NEW YORK. Eine umstrittene US-Studie zeigt, dass eine jährliche Röntgenuntersuchung viele Lungenkrebsfälle im Frühstadium entdecken kann, die dann noch eine vergleichsweise hohe Heilungsrate haben.

Bei der Routine-Computertomographie (CT) von rund 30 000 beschwerdefreien Menschen entdeckten die Ärzte in der Studie 484 Lungenkarzinome, 412 davon im Stadium 1. Rund 88 Prozent dieser Stadium-1-Patienten waren auch zehn Jahre nach der Krebsoperation noch am Leben, wie die Studienautoren im „New England Journal of Medicine“ (Bd. 355, S. 1 763) berichten. Kritiker bemängeln allerdings das Fehlen einer Vergleichsgruppe von Probanden ohne Reihenuntersuchung.

Lungenkrebs gehört nicht nur zu den häufigsten Krebsarten, sondern hat auch besonders schlechte Aussichten. Je nach Stadium, in dem das Karzinom entdeckt wird, überleben zwischen 80 Prozent und weniger als einem Prozent der Patienten. Unter den Teilnehmern der US-Studie waren Raucher, frühere Raucher und lebenslange Nichtraucher. „Man könnte 80 Prozent der Todesfälle verhindern“, meint die federführende Studienautorin, die Radiologin Claudia Henschke von der Cornell-Universität in New York. Zahlreiche Experten, wie der Internist James Mulshine von der Rush Universität in Chicago, lobten die Studie als „überaus wichtigen Bericht (...) mit überraschenden Ergebnissen“.

Kritiker halten dagegen, dass ein Teil aller bösartigen Tumore - Lungenkarzinome eingeschlossen - ihr Wachstum von allein wieder einstellen oder sich so langsam entwickeln, dass sie dem Patienten nie gefährlich werden. Bisher gebe es keine Möglichkeit, zwischen solchen risikofreien Tumoren und den wirklich gefährlichen im Frühstadium zu unterscheiden. Mangels einer Kontrollgruppe lasse sich nicht erkennen, wie viele Patienten auch ohne jährliche CT- Untersuchung dem Lungenkrebstod entgangen wären.

Nach Auskunft der Heidelberger Thoraxklinik, einer der bundesweit führenden Lungenkrebskliniken, wird eine Routineuntersuchung auf Lungenkrebs seit Jahren diskutiert. Die wissenschaftlichen Daten könnten bislang jedoch nicht eindeutig belegen, dass ein solches Screening von symptomfreien Patienten Vorteile bringe. Zudem können auch Röntgenuntersuchungen unter Umständen Krebs auslösen, allerdings ist die Strahlenbelastung mit modernen Untersuchungsgeräten drastisch gesunken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%