Wissenschaft
Studie: Ursache von Demenz entdeckt

Die gestörte Kommunikation von Nervenzellen ist nach Ansicht Göttinger Forscher die Ursache für eine verbreitete Form von Demenz. Demnach blockiert ein Eiweiß jene Kontaktstellen, über die sich die Nervenzellen im Gehirn miteinander „unterhalten“.

dpa GöTTINGEN. Die gestörte Kommunikation von Nervenzellen ist nach Ansicht Göttinger Forscher die Ursache für eine verbreitete Form von Demenz. Demnach blockiert ein Eiweiß jene Kontaktstellen, über die sich die Nervenzellen im Gehirn miteinander „unterhalten“.

In der Folge versiegt die Kommunikation - mit weit reichenden Folgen für die Betroffenen. Das berichtet die Gruppe um Walter Schulz-Schaeffer im „Journal of Neuroscience“ (Bd. 27, Nr. 6, S. 1 405).

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die so genannte Demenz mit Lewy-Körpern (Dementia with Lewy bodies, DLB). Bei Patienten, die daran leiden, finden sich im Inneren der Nervenzellen im Hirn die „Lewy-Körperchen“. Diese Zusammenballungen bestehen aus dem Protein alpha-Synuclein. DLB gilt laut einer Mitteilung der Universität Göttingen vom Donnerstag nach Alzheimer als die zweithäufigste Form der Demenz.

Schulz-Schaeffer und seine Kollegen fanden mit zwei neuen Untersuchungsmethoden heraus, dass sich das alpha-Synuclein nicht nur in großen Klumpen im Zentrum der Zelle, sondern auch an den Kontaktstellen zwischen zwei Nervenzellen findet. An diesen Synapsen tauschen Nervenzellen chemische Botenstoffe miteinander aus und geben so ihre Signale weiter. Die Kontaktstellen der aussendenden Zellen würden durch das alpha-Synuclein verstopft, berichtete die Universität. Daraufhin bildeten sich auch die Synapsen der Empfänger- Zellen zurück.

Den Ergebnissen zufolge sind die bislang im Inneren der Nervenzellen beobachteten Lewy-Körper weniger die Ursache als vielmehr die Folge des Problems: „Anders als bisher vermutet, sind die Lewy-Körperchen wahrscheinlich das Ergebnis des erfolgreichen Versuchs der Zellen, die schädlichen kleinen Aggregate beiseite zu räumen.“ Gelinge es der Zelle nicht, die Eiweißablagerungen aus den entfernten Verästelungen in das Zentrum der Zelle zu transportieren, führe das zu der Störung der Zell-Zell-Kommunikation.

„Als nächstes wollen wir untersuchen, ob der gleiche Mechanismus der Störung von Synapsen durch kleinste Aggregate auch bei Parkinson- Patienten für deren Bewegungsstörungen verantwortlich ist, und nicht erst der unumkehrbare Untergang ganzer Nervenzellen“, ergänzte Kramer. Bislang vermuten viele Forscher, dass der Tod von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin herstellen, die Ursache von Parkinson ist.

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