Wissenschaft: Tiefseefischerei bedroht zahlreiche Arten

Wissenschaft
Tiefseefischerei bedroht zahlreiche Arten

Meeresforscher schlagen Alarm: Die kommerzielle Tiefseefischerei hat ihren Angaben zufolge zahlreiche Fischarten im Nordatlantik in nur einer Generation fast ausgelöscht. Vom Aussterben bedroht sind in dem Gebiet demnach unter anderem langlebige Grenadier-, Hecht- und Rochenarten.

dpa ST. JOHN'S/LONDON. Meeresforscher schlagen Alarm: Die kommerzielle Tiefseefischerei hat ihren Angaben zufolge zahlreiche Fischarten im Nordatlantik in nur einer Generation fast ausgelöscht. Vom Aussterben bedroht sind in dem Gebiet demnach unter anderem langlebige Grenadier-, Hecht- und Rochenarten.

Die Untersuchung von Jennifer Devine und Kollegen von der Memorial Universität in St. John's in der kanadischen Provinz Neufundland konzentriert sich auf fünf Arten, deren Bestände wegen der Fischerei in nur 17 Jahren (1978 bis 1994) um 89 bis 98 Prozent schrumpften.

Bei den untersuchten Tiefseefischen handelt es sich um den Blauen Seehecht (Antimora rostrata), einen Aal (Notacanthus chemnitzi), eine Rochenart (Bathyraja spinicauda) sowie die beiden Grenadierfische Macrourus berglax und Coryphaenoides rupestris. Diese Fische können bis zu 60 Jahre alt und mehr als einen Meter lang werden. Alle fünf Arten werden erst mit 15 bis 20 Jahren geschlechtsreif und sorgen erst dann für Nachwuchs. Nur die beiden Grenadierfische werden kommerziell gefangen, wie die Kanadier im Wissenschaftsjournal „Nature“ (Bd. 439, S. 29) berichten, aber alle fünf Arten landen als unerwünschter Beifang in den oft bis zum Meeresboden reichenden Netzen.

„Tiefseefische sind wegen ihrer späten Geschlechtsreife, ihrer extremen Lebensdauer, geringen Fruchtbarkeit und ihres langsamen Wachstums besonders stark bedroht“, warnt das kanadische Team. Sie schätzen, dass die fünf Arten innerhalb von drei Generationen auf weniger als ein Prozent ihres ursprünglichen Vorkommens reduziert sein werden. Die Entwicklung über drei Generationen ist der Maßstab, den die World Conservation Union für einen Eintrag in ihre Rote Liste bedrohter Lebensarten zugrundelegt.

Der größte Tiefseerochen im Nordatlantik (Dipturus laevis) sei durch die kommerzielle Tiefseefischerei bereits „unbemerkt“ ausgelöscht worden, warnen die Experten. Niemand wisse, wie viele und welche weiteren Arten bereits an den Rand der Existenz gedrängt worden seien. „Die wissenschaftlichen Nachforschungen halten nicht mit dem Kollaps der Tiefseebestände Schritt.“ Deshalb sei es höchste Zeit für Gegenmaßnahmen wie etwa Schutzzonen in der Tiefsee.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%