Wissenschaft
Tierversuche bieten neue Ansätze gegen Alzheimer

Der Berliner Molekulargenetiker Prof. Erich Wanker sieht in jüngsten Ergebnissen von Tierversuchen erste Ansätze, Alzheimer und andere Demenz-Erkrankungen in Zukunft schon im Frühstadium erkennen und bekämpfen zu können.

dpa BERLIN. Der Berliner Molekulargenetiker Prof. Erich Wanker sieht in jüngsten Ergebnissen von Tierversuchen erste Ansätze, Alzheimer und andere Demenz-Erkrankungen in Zukunft schon im Frühstadium erkennen und bekämpfen zu können.

„Allerdings ist der Schritt von der Maus zum Menschen oft noch sehr groß“, warnte der Experte für neurodegenerative Erkrankungen am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin-Buch in einem dpa-Gespräch. Das MDC ist von diesem Mittwoch bis zum Samstag Gastgeber einer weltweit bislang einzigartigen Konferenz, bei der Genomforscher und Alzheimer-Experten gemeinsam neue Grundlagen und Ansätze zur Therapie dieser Erkrankungen diskutieren.

„Es passiert sehr viel Spannendes zur Zeit“, berichtete Wanker. So habe Dominic Walsh (Dublin) bestimmte so genannte Oligomere nachgewiesen, winzige Strukturen, die ein früher Marker und zugleich Auslöser von Demenz seien. „Schon diese Oligomere könnten eines Tages Zielscheiben neuer Medikamente werden, lange bevor sich die für Alzheimer typischen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn zeigen“, erläuterte Wanker.

Ein Team um Prof. Ulrich Hartl (München) wiederum erforsche spezielle Hitzeschock-Proteine, so genannte Chaperone („Anstandsdamen“), die die bei neurodegenerativen Erkrankungen typischen, missgefalteten Proteine erkennen und dabei helfen, sie wieder richtig zu falten. „Diese Chaperone hat jeder, aber mit dem Alter wird ihre Aktivität schwächer. Allerdings können die schwächelnden "Anstandsdamen" offenbar mit bestimmten Molekülen wieder aktiviert werden.“ Für seine Forschungen erhält Hartl an diesem Donnerstag in Hamburg den mit 750 000 Euro dotierten Körber- Preis für die Europäische Wissenschaft 2006.

Auch der Kanadier Michael Hayden, dessen Veröffentlichung im Journal „Cell“ jüngst für Aufsehen sorgte, wird in Berlin sein: Er hat im Tierversuch mit bestimmten Enzymen erfolgreich die zelluläre „Müllabfuhr“ für die Eiweißablagerungen im Hirn angekurbelt und den Mäusen somit ihr Gedächtnis zurückgegeben. Wankers Berliner Team selbst arbeitet daran, die Missfaltung von Proteinen mit bestimmten Substanzen aus dem Grünen Tee zu verhindern. „Bis daraus jedoch Medikamente für den Menschen entstehen, werden noch viele Jahre vergehen“, betont Wanker.

Derzeit ist Alzheimer nicht heilbar, sondern lässt sich mit Medikamenten lediglich im Verlauf um einige Zeit verzögern. Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer Demenzerkrankung, zwei Drittel davon an der vor 100 Jahren vom deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer erstmals beschriebenen Krankheit.

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