Wissenschaft
Trend zu mehr Labortieren setzt sich fort

Die Zahl der Versuchstiere ist in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen. Im Jahr 2005 seien 2,41 Mill. Labortiere eingesetzt worden, sagte der Leiter des Zentralen Tierlabors der Universitätsklinik Essen, Gero Hilken, am Mittwoch.

dpa ESSEN. Die Zahl der Versuchstiere ist in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen. Im Jahr 2005 seien 2,41 Mill. Labortiere eingesetzt worden, sagte der Leiter des Zentralen Tierlabors der Universitätsklinik Essen, Gero Hilken, am Mittwoch. Die Versuche seien aber dank veränderter Methoden schonender geworden.

Zehn Jahre zuvor hatte die Versuchstierzahl mit 1,5 Mill. nach Angaben der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche einen Tiefpunkt erreicht, seither steige sie wieder.

„Zur Gen-Typisierung können wir heute Hautschuppen vom Ohr oder Haarwurzeln verwenden. Das ist gegenüber Blutentnahmen oder den Abknipsen von Millimeter großen Schwanzstückchen zum Beispiel bei Mäusen schonender“, sagte Hilken bei einer Fachtagung zu Tierschutzfragen in Essen. Mit Untersuchungen in Computertomographen lasse sich mittlerweile häufig die Tötung der Tiere vermeiden. „Man kann heute mit bildgebenden Verfahren bis auf die Tierzelle schauen. Dazu musste man früher Präparate für das Mikroskop fertigen“, erklärte Hilken, Leiter der Tagung.

Auch über eine möglichst artgerechte Haltung diskutieren die 80 Forscher, Tierschützer und Behördenvertreter während der Tagung. „Große Tiere wie Hunde fühlen sich wohler, wenn man mit ihnen spricht“, sagte Hilken. Bei Tieren wie Mäusen oder Ratten können andererseits leise Geräusche wie von Laborgeräten, die der Mensch kaum wahrnimmt, schon Stress verursachen. „Das kann dann auch Versuchsergebnisse beeinträchtigen.“

Unter den knapp zweieinhalb Mill. Versuchstieren im Jahr 2005 waren dem Bundesagrarministerium zufolge 1,4 Mill. Mäuse, knapp 600 000 Ratten, jeweils 100 000 Kaninchen, Vögel und Fische sowie 40 000 Meerschweinchen. Seltener wurden Schweine, Hunde, Katzen, Pferde, Rinder oder auch Affen eingesetzt. Das Agrarministeriums hatte Ende 2006 erklärt, die Bundesregierung wolle sich dafür einsetzen, dass zügig alternative Methoden für Versuche mit Tieren entwickelt werden. Das ist auch Bestandteil des Koalitionsvertrags von Union und SPD.

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