Wissenschaft und Islam
Erdrückende Umarmung

Die wissenschaftlichen Leistungen muslimischer Staaten sind schwach. Nur wenige Publikationen kommen aus Ländern wie Saudi-Arabien, Katar oder Kuwait. Erfolge liegen schon lang zurück. Wie die vorgebliche Forschungsfreundlichkeit des Islams die Entwicklung bremst.

DÜSSELDORF. So international moderne Wissenschaft auch sein mag, beim Blättern in Fachzeitschriften fällt auf, dass in den Ortsangaben ein großer Teil der Welt praktisch nicht vorkommt: der gesamte muslimische Kulturkreis.

Nach Daten von "Thomson Scientific" produzierten 45 muslimische Staaten mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern von 2001 bis 2005 nur 3,37 Prozent der Artikel in den maßgeblichen naturwissenschaftlichen Zeitschriften - aus Deutschland stammen 8,55 Prozent. Erschreckend ist vor allem, dass die reichen Ölstaaten nicht einmal in der innermuslimischen Rangliste Spitzenplätze einnehmen, da steht die Türkei. Es ist also kein Armutsproblem. Saudi-Arabien, Katar und Kuwait geben nur 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung aus, verglichen mit durchschnittlich 2,3 Prozent in Industrienationen.

Am Düsseldorfer Institut für Neurobiologie forscht der Marokkaner Mustapha Bennay. Sein Land ist eines der wenigen islamischen Länder, die Hochtechnologie-Produkte ausführen (elf Prozent der Exporte). Doch um seinen wissenschaftlichen Nachwuchs kümmert man sich auch dort wenig. "Ich habe in Marokko um Geld für Forschungsgeräte gebettelt, aber nichts bekommen. Traurig, dass wir arabischen Wissenschaftler aus unseren Ländern heraus müssen, um unseren Traum wahr zu machen."

Ob die in vielen muslimischen Ländern an die Macht strebenden Islamisten tatsächlich ihre Versprechungen in die Realität umsetzen, die Unterfinanzierung der Forschung zu korrigieren, darf bezweifelt werden. Deren scheinbar wissenschaftsfreundliche Aussagen treibt offensichtlich eher der Wunsch, nachzuweisen, dass der Koran das wahre Wissen beinhaltet. "Ich rate allen Wissenschaftlern, den Koran zu lesen, von dem sie viel über zahlreiche wissenschaftliche Themen lernen werden", fordert Kamal El Helbawi, ehemaliger Sprecher der Muslimbruderschaft, einer der wichtigsten islamistischen Oppositionsgruppen in den säkular regierten arabischen Staaten. Muslimische Organisationen füttern das Internet fleißig mit apologetischen Texten, die realistische Naturbeschreibungen im Koran als Beweis für dessen übermenschlichen Ursprung anführen. Auf www.islam-guide.com etwa wird Sure 23 über die Erschaffung des Menschen mit den Stadien der Embryonalentwicklung in Einklang gebracht. Die Botschaft ist klar: Im Koran ist alles Wissen bereits enthalten.

Besonders brisant ist das Verhältnis muslimischer Gesellschaften zur Evolutionstheorie. "Ich habe nie muslimische Studenten gehabt", berichtet der Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera, "das scheint die überhaupt nicht zu interessieren." An dieser Disziplin, ohne die, wie der Evolutionsbiologe Theodosius Dobzhansky sagte, "nichts in der Biologie einen Sinn ergibt", nimmt die muslimische Welt praktisch nicht teil - nur auf der Meta-Ebene.

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