Wissenschaft und wirtschaftliche Depression
Die Natur der Krise

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Aber Trost vermag uns die Evolution ohnehin nicht zu spenden. Worum es geht, ist vielmehr die Einsicht, dass wir in einer unberechenbaren Welt leben und die Welt, die wir uns selbst geschaffen haben - die Welt der Kultur mit ihrer Technologie, Wirtschaft und so weiter - eigentlich nur an einem seidenen Faden hängt. Immerhin aber ist dieser Faden bislang nicht gerissen, so wie auch die gewaltigen erdgeschichtlichen Katastrophen das Leben auf der Erde nicht vollständig vernichtet haben. (Sonst wäre ja unsere Gattung erst gar nicht entstanden.)

Krisen sind Begleiterscheinungen des Lebens. Wir sollten uns vergegenwärtigen, was dieses Wort eigentlich besagt: Es umschreibt Notlagen, Störungen, aber auch Wendepunkte. Der kritische Zustand eines Patienten kann zu dessen Tod führen oder die Wende zur Genesung markieren. Das Aussterben der Saurier war in der Evolution insoweit ein Wendepunkt, als erst damit die Säugetiere, die zuvor im Schatten der Reptilien ein bescheidenes Dasein geführt hatten, zur Blüte gelangen konnten.

Man verstehe das nicht falsch, die Evolution kennt keine Absichten und Ziele, und die Saurier wurden nicht hinweggerafft, damit endlich die Säugetiere zum Zug kommen konnten. Aber als sie einmal verschwunden waren, entstand Platz für Neues. Und irgendwie scheint ja die Evolution, auf Österreichisch gesagt, immer weiter zu wurschteln.

Nun möchte ich hier nicht in der Manier von Lebensberatern dafür plädieren, Krisen als Chancen wahrzunehmen. Schließlich muss jede(r) selbst wissen, wie sie oder er mit der jeweiligen Krise am besten umgehen kann. Das Potenzial, Krisen zu bewältigen, ist individuell sehr verschieden. Hingegen mag es helfen, wenn man sich prinzipiell einmal vergegenwärtigt, dass Krisen nichts Außergewöhnliches, sondern etwas durchaus Natürliches und Normales sind. Inwieweit kann denn diese Einsicht helfen? Sollen wir einfach die Hände in den Schoß legen und warten, bis die Krise vorbei ist und die nächste kommt?

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