Wissenschaft
Ur-Wal mit spitzen Zähnen entdeckt

London (dpa) ­ Australische Forscher haben eine bislang unbekannte Walart mit spitzen Zähnen und gewaltigen Augen entdeckt, die vor 25 Mill. Jahren in den Gewässern um den Kontinent gejagt hat.

London (dpa) ­ Australische Forscher haben eine bislang unbekannte Walart mit spitzen Zähnen und gewaltigen Augen entdeckt, die vor 25 Mill. Jahren in den Gewässern um den Kontinent gejagt hat.

Das Fossil gehört zu den Bartenwalen, hat mit diesen heute lebenden „sanften Riesen“ jedoch wenig gemein, wie der australische Wissenschaftler Erich Fitzgerald in den „Proceedings B“ der Londoner Royal Society berichtet. Sein Team hatte den fossilen Schädel eines „Ur-Bartenwals“ untersucht und das Exemplar als Angehöriger einer bislang unbekannten Familie identifiziert. Die neu entdeckte Art bekam den wissenschaftlichen Namen Janjucetus hunderi.

Bartenwale verdanken ihren Namen den kammartigen, ausgefransten Hornplatten die sie anstelle von Zähnen im Oberkiefer tragen. Sie filtern damit Kleinkrebse und anderes tierisches Plankton aus dem Meerwasser, indem sie zunächst große Mengen Wasser aufnehmen und es dann durch die Barten hindurch wieder nach außen pressen. Einige Arten fressen auch Fische, Zähne besitzen die heute lebenden Bartenwale jedoch nicht.

Ganz anders sahen die Tiere im späten Oligozän vor 25 Mill. Jahren aus: Wie die Untersuchung des Schädels ergab, verfügten die Ur-Bartenwale sehr wohl über Zähne. Barten hingegen besaßen sie nicht, und auch sonst wiesen die Tiere keinerlei Merkmale auf, die für eine Ernährung mit Hilfe von Barten typisch sind. Zudem besaßen sie ausgesprochen große Augenhöhlen. Dies weise auf die Bedeutung des Sehsinns für die Jagd hin, schreibt Erich Fitzgerald von der Monash University in Clayton (Australien). Vermutlich gingen die archaischen Bartenwale gezielt auf die Jagd nach Fischen, die sie erspähten und dann mit ihren scharfen Zähen packten und zerrissen.

Im Vergleich zu ihren heute lebenden Verwandten waren die räuberischen Bartenwale recht klein. Ihr Körper maß nur rund 3,5 Meter. Die heutigen Bartenwale hingegen sind alle länger als sechs Meter, der Blauwal als das größte lebende Tier der Erde erreicht gar eine Länge von mehr als 33 Metern. Über die Evolution der Bartenwale ist bislang nur wenig bekannt. Janjucetus hunderi ist der bislang älteste beschriebene Bartenwal, sei aber vermutlich nicht der älteste Vertreter der Bartenwale insgesamt, schreibt Fitzgerald.

Insgesamt seien nun mindestens sechs Familien bezahnter Bartenwale aus dem Oligozän bekannt. Die Untersuchung widerspreche der bisherigen Annahme vieler Experten, dass die Entwicklung der Barten die Voraussetzung für die spätere Ausbreitung und Entstehung der unterschiedlichen Familien war. Stattdessen seien schon zahlreiche Varianten der Bartenwale entstanden, bevor sich die Barten und die damit zusammenhängende Ernährungsweise entwickelt hätten, schreibt Fitzgerald.

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