Wissenschaft
US-Forscher: Hormontherapie könnte Gehör verschlechtern

US-Mediziner haben nach eigenen Angaben Hinweise dafür gefunden, dass eine Hormongabe bei Frauen nach den Wechseljahren die Hörfähigkeit verschlechtern kann.

dpa WASHINGTON. US-Mediziner haben nach eigenen Angaben Hinweise dafür gefunden, dass eine Hormongabe bei Frauen nach den Wechseljahren die Hörfähigkeit verschlechtern kann. Deutsche Wissenschaftler haben allerdings Zweifel an der Studie, die von den „Proceedings“ der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften („Pnas“) im Internet veröffentlicht worden ist.

Das Team um Robert Frisina von der Universität Rochester (US- Bundesstaat New York) untersuchte 124 Frauen im Alter von 60 bis 86 Jahren in einer rückblickenden Studie. 30 dieser Frauen hatten zuvor jahrelang Östrogene genommen. 32 Frauen hatten eine Kombination aus Östrogenen und Progestin bekommen. Die Dauer der Hormoneinnahme variierte dabei zwischen fünf und 35 Jahren. Die übrigen 62 Frauen hatten den Angaben zufolge keine Hormone genommen. Unter den Frauen, die Progestin genommen hatten, stellten die Forscher vermehrt Hörverschlechterungen fest. In den anderen beiden Gruppen fanden sie keine Auffälligkeiten.

Dem Leiter des Instituts für Medizinische Informatik und Statistik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Michael Krawczak, zufolge besteht allerdings die Gefahr eines zufälligen Zusammenhangs, einer so genannten Scheinkorrelation. „Unter anderem wurden weder die Dauer noch die Dosierung der Medikation in der statistischen Analyse berücksichtigt.“ Außerdem sei es fraglich, ob die ausgewählten Frauen repräsentativ seien. Es fehlten auch Angaben zu den sonstigen Leiden der Untersuchten und deren Alter. Die Aussagen der Autoren seien daher „mit Vorsicht zu genießen“.

„Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich als Gutachter einer wissenschaftlichen Zeitschrift die Arbeit in der jetzigen Form nicht zur Veröffentlichung empfohlen hätte“, sagte Krawczak. Auch Mark Praetorius, Oberarzt an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Heidelberg, teilt die Zweifel. Zudem habe die Studie nur geringste Veränderungen im Tiefton-Bereich festgestellt. „Das ist nichts, worüber man sich als ältere Frau Sorgen machen sollte“, sagte Praetorius.

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