Wissenschaft
Venus ist erdähnlicher als gedacht

Mit 460 Grad Hitze am Boden und Schwefelsäureregen ist die Venus ein Planet, wie er menschenfeindlicher kaum sein kann. Dabei ist unser Nachbarplanet der Erde aber sehr viel ähnlicher als vermutet.

dpa PARIS. Mit 460 Grad Hitze am Boden und Schwefelsäureregen ist die Venus ein Planet, wie er menschenfeindlicher kaum sein kann. Dabei ist unser Nachbarplanet der Erde aber sehr viel ähnlicher als vermutet.

Es blitzt und gewittert und am Südpol bilden sich mächtige Wolkenwirbel, die an die großen Luftströme am Nordpol der Erde erinnern. Zudem kann man an unserem Nachbarplaneten den gefürchteten Treibhauseffekt des Kohlendioxids studieren. Das ergaben Messungen der Raumsonde „Venus Express“, die am Mittwoch in Paris von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa vorgestellt wurden.

Am 9. November 2005 hatte sich „Venus Express“ an Bord einer Sojus-Rakete von Kasachstan aus auf die 400 Mill. Kilometer lange Reise gemacht. Im Mai 2006 erreiche die Sonde ihre Umlaufbahn um den Planeten. Erklärtes Ziel der 220 Mill. Euro teuren Esa-Mission: „Venus Express“ sollte erkunden, warum der erdnahe Planet sich in den vergangenen vier Mrd. Jahren so anders entwickelt hat als die in Größe und Masse so ähnliche Erde. Schließlich hatten noch vor 50 Jahren ernstzunehmende Wissenschaftler geglaubt, auf der Venus gebe es Meere und Erdteile und vielleicht Pflanzen und Tiere wie bei uns.

Mehrere Erkundungsflüge hatten das idyllische Bild im Laufe der Jahre zerstört. Man wusste, dass es auf der Venus wüst und so heiß ist, dass selbst Blei schmilzt. „Venus und Erde sind Zwillinge, die bei der Geburt getrennt wurden und sich seitdem unterschiedlich entwickelt haben“, sagte der Wissenschaftliche Koordinator für Venus Express, Dimitri Titov.

Die Venus ist mit 12 100 Kilometern Durchmesser ähnlich groß wie die Erde und hat fast dieselbe Schwerkraft. Die Lufthülle besteht aber zu 96,5 Prozent aus Kohlendioxid (CO2) plus etwas Stickstoff. Das CO2 verhindert die Wärmeabstrahlung und heizt damit den Planeten mächtig auf. Auch der Luftdruck, der 100 mal so hoch ist wie auf der Erde, treibt die Temperatur hoch. „Auf der Venus gibt es einen ähnlichen globalen Treibhauseffekt wie auf der Erde“, sagte David Greenspoon, der als Interdisziplinärer Wissenschaftler für Venus Express arbeitet. Das lässt das Wasser verdampfen.

Entscheidend sei auch, dass kein starkes Magnetfeld den Planeten vor dem Sonnenwind schütze, sagte Mats Holmström vom Schwedischen Institut für Weltraumphysik. Die Venus verliert daher Sauerstoff und Wasserstoff. Anders als die Erde ist die Venus ausgetrocknet. Es gibt keine Seen oder Flüsse am Boden.

Auf der Erde sorgen Blitze in großer Höhe für die Erneuerung der schützenden Ozonschicht. Auch auf der Venus führen Blitze zu energiereichen Entladungen. Allerdings zeigt „Venus Express“, dass sie nur halb so häufig auftreten. Welche chemischen Reaktionen sie in der Venus-Atmosphäre auslösen, muss noch erforscht werden. Eine Luftströmung von der Tag- zur Nachtseite sorgt dafür, dass die Venus auf der Nachtseite nicht schnell auskühlt. In rund 100 Kilometern Höhe konnte „Venus Express“ eine unerwartet warme und stabile Luftschicht ausmachen.

Im kommenden Jahr will die Esa die Verhältnisse nahe der Oberfläche intensiver untersuchen. „Venus Express“ soll deswegen auf eine niedrigere Umlaufbahn gesteuert werden. Insgesamt vier Tage lang soll Venus Express den „Abendstern“ umkreisen - allerdings Venustage, und die dauern jeweils 243 Erdentage. Die Venus dreht sich so langsam um ihre eigene Achse, dass der Tag hier länger dauert als das Jahr, das nur 225 Erdtage misst.

Die Ergebnisse von Venus Express werden in neun Artikeln des britischen Fachblatt „Nature“ vom Donnerstag vorgestellt.

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