Wissenschaft
Wärmere Nordsee erklärt nicht Kabeljau-Rückgang

Die zunehmende Erwärmung des Wassers ist nicht für den Rückgang des Kabeljau in der Nordsee verantwortlich. Die Tiere hielten sich freiwillig in wärmeren Gewässern auf, obwohl sie schnell kühlere Bereiche erreichen könnten.

dpa LONDON. Die zunehmende Erwärmung des Wassers ist nicht für den Rückgang des Kabeljau in der Nordsee verantwortlich. Die Tiere hielten sich freiwillig in wärmeren Gewässern auf, obwohl sie schnell kühlere Bereiche erreichen könnten.

Das berichten Forscher um Francis Neat vom Marine-Laboratorium in Aberdeen (Großbritannien) in den „Proceedings B“ der Londoner Royal Society.

Bisher vermuteten einige Forscher und Fischer, dass Kabeljau als Folge gestiegener Wassertemperaturen in andere Regionen ausweiche. Umweltschützer machen eher die Überfischung für den drastischen Rückgang der Tiere in der Nordsee verantwortlich.

Seit 1970 hat sich die Nordsee nach Angaben der Forscher um etwa ein Grad Celsius erwärmt. Zugleich war in den vergangenen 20 Jahren ein dramatischer Rückgang der Kabeljaubestände zu beobachten. Forscher vermuten, dass die Temperatur in den nächsten 50 Jahren um weitere 1 bis 2,5 Grad zunehmen könnte.

Die Gruppe um Neat markierte für ihre Untersuchung Kabeljaue mit Temperaturensoren, die die Fische zwischen 1999 und 2005 mit sich trugen. 129 von ihnen wurden wieder eingefangen. Die Daten zeigen, in welchem Temperaturbereich sich die Fische aufhielten. Weil die Fische schnell und weit schwimmen können erwartete die Gruppe um Neat, dass sie vermeintlich zu warme Wassermassen meiden würden.

Tatsächlich lebten die meisten Tiere aber während der Sommermonate bei Temperaturen, die bislang als zu warm für das optimale Wachstum galten. Laborversuche hatten ergeben, dass erwachsene Kabeljaue am besten bei Temperaturen um sieben Grad Celsius gedeihen. Die Tiere hielten sich zum Teil aber monatelang bei bis zu 15 Grad auf, heißt es in dem Journal - dabei wäre kühleres Wasser durchaus in Reichweite gewesen.

Die Forscher bieten mehrere Erklärungen: So könnte die Beutedichte den Fischen wichtiger sein als die Temperatur. Vielleicht wäre die Suche nach kühleren Gebieten auch zu aufwendig. Und schließlich ließe sich nicht ausschließen, dass die im Labor ermittelten „Lieblingstemperaturen“ nicht der Realität entsprächen.

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