Wissenschaft
Welt-Alzheimer-Tag: Noch keine Hoffnung auf Heilung

100 Jahre nach der Entdeckung von Alzheimer ist die unheilbare Hirnkrankheit nach Ansicht des Hirnliga-Vereins noch immer ein Tabuthema in Deutschland.

dpa BERLIN. 100 Jahre nach der Entdeckung von Alzheimer ist die unheilbare Hirnkrankheit nach Ansicht des Hirnliga-Vereins noch immer ein Tabuthema in Deutschland. Alzheimer werde in der Öffentlichkeit nicht als eine Krankheit wahrgenommen wie beispielsweise Diabetes, sagte Isabella Heuser, Vorstandsmitglied des Vereins, am Mittwoch in Berlin.

„Alzheimer ist heute ein Tabuthema wie früher Krebs oder Aids“, sagte die Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt (SPD) als neue Schirmherrin der Alzheimer-Gesellschaft. „Man redet da nicht drüber und man will es nicht wahrhaben.“ Es gehe nach wie vor darum, der Krankheit ein Stück ihres Schreckens zu nehmen.

Nach Angaben von Fachverbänden leiden in Deutschland rund 700 000 Menschen an Alzheimer. In 40 Jahren könne sich die Zahl der Kranken durch das Altern der Bevölkerung verdoppeln oder sogar verdreifachen, teilte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft am Mittwoch mit. Das Leiden wurde 1906 erstmals von dem Nervenarzt Alois Alzheimer beschrieben, an diesem Donnerstag ist Welt-Alzheimer-Tag.

Noch gebe es keine Hoffnung auf Heilung des Demenz-Leidens, ergänzte Heuser. Vorhanden seien aber wirksamere Medikamente, die ein Fortschreiten der Krankheit bei rechtzeitiger Diagnose um neun bis zwölf Monate aufhalten können, sagte Heuser. Nur weniger als ein Drittel der Patienten nehme fachärztliche Hilfe in Anspruch, sagte Hans Gutzmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie. „Wir beobachten auch, dass Privatpatienten doppelt so häufig von Ärzten mit Spezialkenntnissen behandelt werden wie gesetzliche Versicherte“, ergänzte er. Das sei auch ein ethisches Problem.

Die Fachverbände beklagen zudem, dass sowohl die Grundlagenforschung als auch Studien an Patienten keine Priorität in der deutschen Forschungslandschaft hätten. Das sei für eine Volkskrankheit bedauerlich. Auch die Bürde der Angehörigen bei der Pflege werde noch zu wenig beachtet. 70 Prozent der Kranken werden zu Hause versorgt. „Durch diese Belastung können Angehörige selbst krank werden“, sagte Heuke von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. In den skandinavischen Ländern sei die Entlastung für die pflegenden Familie sehr viel besser organisiert.

Ein großes Problem bei Therapien ist häufig die späte Diagnose der Krankheit. Alzheimer macht sich schleichend durch eine übergroße Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit, unwirsche Reaktionen und Niedergeschlagenheit bemerkbar. Grund dafür ist ein gehäufter Zelltod im Gehirn. Die genaue Ursache für Alzheimer hat die Wissenschaft noch nicht enträtselt. Durch Untersuchungen im Kernspintomographen oder Konzentrations-Test lässt sich die Krankheit heute aber bereits im Frühstadium erkennen und dann erheblich besser behandeln.

Für ihre Forschungen haben zwei Wissenschaftler am Mittwoch den Alois-Alzheimer-Preis der Universität Frankfurt erhalten. Prof. Tobias Hartmann (Saarbrücken) und Prof. Johannes Schröder (Heidelberg) nahmen die mit insgesamt 10 000 Euro verbundene Auszeichnung am Tag vor dem Welt-Alzheimer-Tag (21.9.) entgegen.

Prof. Hartmann ergründete an der Universität des Saarlandes die Rolle der Eiweißstoffe, deren auffällige Ablagerungen der Nervenarzt Alois Alzheimer bereits bei Entdeckung der Krankheit vor 100 Jahren festgestellt hatte. Prof. Schröder erforschte an der Universitätsklinik Heidelberg über zwölf Jahre Häufigkeit und Entwicklung der leichten Gedächtnisschwäche, die im Vorstadium der Krankheit auftritt. Die Jury ehrte mit dem zum zweiten Mal nach 2004 vergebenen Preis die Grundlagenforschung der Wissenschaftler.

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