Wissenschaft
Wenn allein der Gedanke Cursor und Hand bewegt

Ein in den USA entwickeltes Gerät hilft Querschnittsgelähmten, mit der Kraft ihrer Gedanken den Computer, Fernseher oder sogar eine künstliche Hand zu bedienen.

dpa NEW YORK. Ein in den USA entwickeltes Gerät hilft Querschnittsgelähmten, mit der Kraft ihrer Gedanken den Computer, Fernseher oder sogar eine künstliche Hand zu bedienen. Das System namens Braingate verbindet den für Bewegungen zuständigen Bereich im menschlichen Gehirn mit dem Cursor auf dem Computerschirm, der TV- Fernbedienung oder der Motorsteuerung einer Handprothese.

Vergleichbare Ergebnisse hat es zwar im Tierversuch schon gegeben. Jetzt gelang es US-Forschern aber erstmals, zwei gelähmten Patienten auf diese Weise zu helfen. John Donoghue von der Brown-Universität in New Providence (US-Staat Rhode Island) und Kollegen beschreiben das Experiment im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 442, S. 164).

Demnach konnten die beiden Probanden, ein 25-jähriger und ein 55- jähriger Mann jeweils mit Rückgratverletzungen durch einen Unfall, auch mit einer gedankengesteuerten Handprothese Bonbons aufheben und den Forschern in die Hand legen. Den Patienten wurden Elektroden direkt in den so genannten Motorkortex im Hirn implantiert. Mit der Messung der Hirnströme außerhalb des Kopfes - wie etwa bei einem EEG - sei die Steuerung durch Gedanken nicht möglich, heißt es in „Nature“.

Als nächstes Ziel peilt das Team um Donoghue an, Rollstühle sowie Arm- und Beinprothesen über Befehle aus dem zuständigen Zentrum in der Hirnrinde ihrer Patienten anzutreiben. Langfristig hoffen die Neurologen, ihr Gerät mit einem System zu kombinieren, das die Muskeln zu Bewegungen anregt und Querschnittsgelähmten den Einsatz der eigenen Gliedmaßen ermöglichen könnte.

Vorerst stellen sie drei Schlüsselerkenntnisse in „Nature“ vor: Die Aktivität im Bewegungszentrum des Hirns bleibt trotz einer Querschnittslähmung erhalten. Signale von Nervenzellen in diesem Bereich des menschlichen Hirns können aufgezeichnet, auf ein externes Gerät übertragen und in Befehle übersetzt werden. Und drittens können gelähmte Patienten externe Geräte wie die Fernbedienung eines Fernsehers, den Cursor eines Computers oder eine Prothese mit der Kraft ihrer Gedanken direkt und erfolgreich kontrollieren.

Ein zweiter Artikel (S. 195) in derselben Ausgabe des Wissenschaftsjournals von diesem Donnerstag berichtet über Tierversuche, bei denen die Geschwindigkeit der Gedankenübertragung vom Hirn auf Prothesen vervierfacht wurde.

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