Wissenschaft
Zähne erklären Leben der Steinzeitmenschen von Eulau

Nach dem spektakulären Fund der Familiengräber von 4 400 Jahre alten Steinzeitmenschen in Eulau (Sachsen-Anhalt) wollen Experten anhand der Zähne deren Lebensweg nachvollziehen. „Die Biografie steckt komplett in den Zähnen“, sagte der Wissenschaftler Kurt W. Alt aus Mainz in einem dpa-Gespräch.

dpa HALLE/MAINZ. Nach dem spektakulären Fund der Familiengräber von 4 400 Jahre alten Steinzeitmenschen in Eulau (Sachsen-Anhalt) wollen Experten anhand der Zähne deren Lebensweg nachvollziehen. „Die Biografie steckt komplett in den Zähnen“, sagte der Wissenschaftler Kurt W. Alt aus Mainz in einem dpa-Gespräch.

So hätten entgegen bisherigen archäologischen Funden tief im Zahnschmelz winzige Teilchen, die Strontiumisotope, die Jahrtausende überdauert.

„Anhand der speziellen Konzentration dieser Elementarteilchen, können wir heute mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden genau sagen, ob diese Menschen in Eulau sesshaft waren oder dort nur ihren Lager- oder Begräbnisplatz hatten“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Prähistorische Anthropologie und Molekulare Archäologie an der Universität Mainz.

Dazu vergleicht das internationale Expertenteam um Alt unter anderem weltweit erfasste Daten von archäologischen Funden aus der Steinzeit. Dabei werde auch analysiert, wovon sich die Menschen ernährt haben und wo die Nahrung wie beispielsweise Pflanzen regional vorkam. Mit ersten Ergebnissen werde im Herbst dieses Jahres gerechnet.

Forscher aus Mainz, der Universität Bristol (England) und dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle untersuchen derzeit vier Familiengräber mit insgesamt 14 Skeletten von Männern, Frauen und Kindern, die im Sommer 2005 in Eulau entdeckt wurden. „Unter sterilen Laborbedingungen wurde aus jedem Schädel der Eulau-Menschen ein Backenzahn gezogen“, sagte Alt. Die Verteilung der Strontiumisotope im Zahnmaterial wird in einem Speziallabor in Bristol (England) untersucht. „Die Strontiumisotopie ist derzeit weltweit eines der modernsten Analysemethoden in der Archäologie und die Eulau-Gräber wurden perfekt unter sterilen Bedingungen geborgen“, erklärte der Archäologie-Professor.

Die internationale Forschergruppe untersucht aus den Knochen der Toten auch die DNA. „Es geht um das genaue Geschlecht, die Verwandtschaft sowie die Herkunft, das heißt, ob diese Gruppe aus dem Osten zu uns kam“, sagte Alt. Mit den prähistorischen Gräbern von Eulau ist ein seltener kompletter steinzeitlicher Familienfriedhof in Form eines Grabgarten-Systems entdeckt worden. Bislang kannten die Archäologen aus dieser „Schnurkeramischen Epoche“ hauptsächlich nur Einzelbestattungen. Die Schnurkeramiker verzierten ihre gesamten Gefäße mit dem Abdruck einer Schnur. Sie bestatteten ihre Toten nach einem einheitlichen Grabritus mit angezogenen Beinen und in der Himmelsrichtung Ost-West.

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