Wissenschaft
Zunehmende Hurrikan-Zahl kein Zeichen für Klimawandel?

Die zunehmende Zahl von Hurrikans könnte Forschern zufolge nicht wie vielfach angenommen auf den Klimawandel zurückgehen, sondern schlicht die Rückkehr zur Normalität bedeuten. In den 70er bis 80er Jahren habe es über dem Nordatlantik ungewöhnlich wenige Wirbelstürme gegeben.

dpa LONDON. Die zunehmende Zahl von Hurrikans könnte Forschern zufolge nicht wie vielfach angenommen auf den Klimawandel zurückgehen, sondern schlicht die Rückkehr zur Normalität bedeuten. In den 70er bis 80er Jahren habe es über dem Nordatlantik ungewöhnlich wenige Wirbelstürme gegeben.

Das schreiben schwedische und US-amerikanische Wissenschaftler im britischen Fachmagazin „Nature“ (Bd. 447, S. 698). Dies zeigten Untersuchungen der Meerestemperatur und der Windströmungen der vergangenen 270 Jahre.

Verlässliche Aufzeichnungen zur Hurrikan-Aktivität über dem Atlantik gibt es erst seit 1944, Satellitenaufzeichnungen sogar erst seit 1966. Die Forscher um Johan Nyberg vom Geological Survey Schwedens in Uppsala analysierten deshalb in der Karibik Korallen und Plankton-Sedimente am Meeresboden. Ihre Strukturen geben Aufschluss über zwei für die Entstehung von Hurrikans wichtige Parameter: Die Temperatur der oberen Schichten des Meerwassers und bestimmte Windströmungen.

Verstärktes Wachstum ließ beispielsweise auf höhere Temperaturen schließen, verringerte Ablagerungen auf stärkeren Wind. Aus den Daten rekonstruierten die Wissenschaftler, wie häufig Wirbelstürme seit 1 730 über dem Atlantik entstanden - Es gab umso mehr Hurrikans, je wärmer das Oberflächenwasser im jeweiligen Zeitraum war. Zudem war die Zahl der Hurrikans von den Windströmungen im Gebiet des tropischen und subtropischen Atlantiks abhängig. Von 1971 bis 1994 herrschte demnach mit durchschnittlich eineinhalb großen Hurrikans pro Jahr eine ungewöhnliche „Flaute“, schreiben die Forscher.

Von 1995 bis 2005 habe die Zahl der Hurrikans wieder zugenommen - auf einen Durchschnitt von jährlich vier gewaltigen Wirbelstürmen. Dies entspreche dem zuvor erreichten Niveau, schreiben die Forscher. Die durchschnittliche Zahl der Wirbelstürme liege im Gesamtzeitraum von 1 730 bis 2005 bei etwa drei bis dreieinhalb pro Jahr. Dabei hab es aber immer wieder auch „Flauten“ gegeben, beispielsweise von 1 793 bis 1 799, 1 852 bis 1 866 und 1915 und 1926.

Der Anstieg in den vergangenen Jahren stelle demnach den Rückkehr zu den üblichen Zahlen dar - und sei nicht wie angenommen eine Reaktion auf die steigenden Meerestemperaturen, lautet der Schluss der Forscher. Der Analyse nach sei die zwei Jahrzehnte lang verringerte Wirbelsturm-Aktivität auf veränderte Windverhältnisse zurückzuführen. Die Ursache für diese müsse nun erforscht werden.

Die US-Wetterbehörde Noaa in Washington hatte im Mai für dieses Jahr wieder eine überaus aktive Hurrikan-Saison vorausgesagt. Sie rechnet mit sieben bis zehn Hurrikans, von denen drei bis fünf eine große Zerstörungskraft erreichen könnten. Die Hurrikan-Saison beginnt jedes Jahr am 1. Juni und dauert bis zum 30. November. Mit „Andrea“ wurde aber der erste Tropensturm dieses Jahres bereits Anfang Mai registriert.

Im Jahr 2006 wirbelten über dem Atlantik zehn mit einem Namen versehene Tropenstürme, aus denen sich fünf Hurrikans, darunter zwei schwere, entwickelten. Die Hurrikan-Saison 2005 war mit 27 Namensstürmen und sieben schweren Hurrikans in die Rekordbücher eingegangen. Unvergessen ist Hurrikan „Katrina“, der die schweren Überflutungen in der Südstaatenmetropole New Orleans auslöste.

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