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Wissenschaftler sieht „Ötzi“ als Opfer eines Tyrannenmords

Der Alpenmann „Ötzi“ ist nach neuen Spekulationen einem Tyrannenmord zum Opfer gefallen. „Ötzi“ sei ein halsstarriger, an seiner Macht festhaltender Dorfvorsteher gewesen und deswegen ermordet worden, vermutet der Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck, Walter Leitner.

dpa WIEN. Der Alpenmann „Ötzi“ ist nach neuen Spekulationen einem Tyrannenmord zum Opfer gefallen. „Ötzi“ sei ein halsstarriger, an seiner Macht festhaltender Dorfvorsteher gewesen und deswegen ermordet worden, vermutet der Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck, Walter Leitner.

„Ötzi“ habe mit seinen 47 Jahren ein für steinzeitliche Verhältnisse geradezu methusalemhaftes Alter erreicht. „Seine Konkurrenten sahen keine Alternative, als ihn gewaltsam aus dem Weg zu räumen“, sagte Leitner der Wochenzeitung „Die Zeit“.

„Das Ganze ist ein historischer Kriminalfall“, fasst der Wissenschaftler im Gespräch mit der dpa die Lage zusammen. Wie ein Kriminalist setze auch er die Fakten und Erkenntnisse zu einer Theorie zusammen: „Den tatsächlichen Hergang werden wir nie enträtseln, aber es gibt deutliche Hinweise auf Motive, die sich logisch zusammensetzen lassen.“

Die gesicherten Fakten haben ergeben, dass „Ötzi“ gewaltsam ums Leben gekommen sei: Bestätigt sind Blutspuren an den Händen der 5 300 Jahre alten Gletschermumie, die nicht von dem Mann selbst stammen. Im Blut auf den mitgeführten Gegenständen wurden DNA-Spuren von mindestens vier Menschen gefunden.

Aus der Pfeilspitze, die das rechte Schulterblatt des Alpenmannes durchbohrt hatte, sei zu schließen, dass Ötzi von hinten erschossen worden war. Da er sich in baumlosem Gelände befunden habe, sei ein Versehen auszuschließen. Eine weitere Verletzung durch einen Pfeil lasse vermuten, dass noch ein zweiter Schütze auf ihn geschossen habe. „Das ist mehr als ein blöder Zufall“, interpretiert der 54- jährige Historiker.

Aus allem schließt der Archäologe, dass „Ötzi“ einer Intrige zum Opfer gefallen ist: „Der Mann war für seine Zeit in sehr hohem Alter und er war nicht der Gesündeste. Er hatte selbst medizinische Kenntnisse, war vielleicht Schamane. Jedenfalls war er eine Autoritätsperson, vielleicht vergleichbar mit einem Bürgermeister, und eine solche Person bietet Angriffsflächen. Er hatte wohl Feinde in der Gruppe“. Dieser „Mördertrupp“ habe „Ötzi“ abseits der Siedlung aufgelauert.

Möglicherweise habe sich ein Angreifer dem Alten in den Weg gestellt und es sei zu einem Kampf gekommen, bei dem sich Ötzi die festgestellte Wunde an der Hand durch eine Abwehrbewegung zugezogen habe. „Der Gegner muss Helfer gehabt haben, und es muss zu einem brachialen Getümmel gekommen sein“, glaubt Leitner.

Da man den Tod der Autoritätsperson als Unfall darstellen musste, habe man das Opfer verletzt allein gelassen und ihm auch die wertvollen und Jagdutensilien nicht abgenommen. Vor allem diese Tatsache lässt den Innsbrucker Frühhistoriker an die Mordtheorie glauben.

Nach dem Tod habe jedoch bald Schneefall eingesetzt, der dazu geführt hat, dass der Leichnam nicht verwest sei. „Der Plan, den sich seine Feinde ausgedacht haben, ist aufgegangen“, unterstreicht der Wissenschaftler sein Modell: „Auch wir sind ja anfangs von einem Jagdunfall ausgegangen“.

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