Wissenschaftler träumen von "Regenfabriken"
Meer beliefert Landwirtschaft mit Wasser

Trinkwasser ist in Südspanien knapp. Um Versorgungsengpässe zu beseitigen, setzt die spanische Regierung auf die Entsalzung von Meerwasser. Im Herbst nimmt in dem kleinen Küstendorf Carbonera in der Provinz Almería Europas größte Meerwasserentsalzungsanlage ihren Betrieb auf.

HB ALMERIA. 120 000 Kubikmeter Meerwasser werden in den riesigen, von Rohren und Kesseln durchzogenen Fabrikhallen täglich gereinigt. Die 45 000 Quadratmeter große Trinkwasserfabrik soll 200 000 Menschen versorgen und Wasser für 7 000 Hektar Gewächshausfläche liefern.

Die Anlage kommt im richtigen Moment: Spanien erlebt die schlimmste Dürre seit 60 Jahren. Mit dem Bau der Meerwasserentsalzungsanlage hat die sozialistische Regierung sich für einen anderen Weg zur Bekämpfung der Trockenheit im Land entschieden als ihre konservativen Vorgänger. Diese wollten, dass das Wasser aus dem regenreichen Norden, aus den Flüssen Tajo und Ebro, per unterirdischer Leitungen in den im Sommer wüstenähnlichen Süden umgelenkt wird – was wesentlich teurer geworden wäre.

Acusur, die staatliche Firma, die die Entsalzungsanlage in Carbonera mitkonzipiert hat, setzt bei der Trinkwassergewinnung auf neueste Technik und ist stolz auf ihr Entsorgungskonzept. In zwölf Membranfiltern wird das Wasser nach der Entfernung von Sand und groben Partikeln sowie einer chemischen Behandlung mit einem Druck von 70 Kilogramm pro Quadratzentimeter der Hauptreinigung und Entsalzung unterzogen. „Mit so hohem Druck wird derzeit nirgendwo gearbeitet“, sagt Fabrikchef José Alonso. Das im Prozess verbleibende Salz wird an das benachbarte thermische Kohlekraftwerk abgeben, wo es zur Kühlung verwendet wird.

Nach der Entsalzung wird das Wasser, das über unterirdische Leitungen aus dem Meer direkt in die Anlage fließt, entweder direkt den Sammelbecken auf den Feldern zugeführt oder es wird noch weiter aufbereitet und in die öffentliche Trinkwasserversorgung geleitet. Die Bauern sind nach ersten Tests mit der Qualität des Wassers zufrieden, obwohl sie es etwas absurd finden, dass ihr Wasser nach diesem Reinigungsprozess wieder leicht angesalzt werden muss. Auf die richtige Mischung komme es an, sagt Gemüsebauer López. „Wir brauchen etwas salzhaltiges Wasser, damit unsere Tomaten den richtigen Geschmack bekommen und saftig werden“.

Die Region Almería verfügt über die größte Gewächshausfläche der Welt und deckt etwa ein Drittel des Gemüsebedarfs in Europa. Angebaut werden neben Tomaten vor allem Melonen, Paprika und Gurken. Weitere 20 000 Hektar stehen zum Anbau bereit. Dort wollen jetzt auch Holländer und Briten investieren, jetzt, wo die Wasserversorgung gesichert wurde. Bisher haben die Bauern das Wasser einfach aus dem Grundwasser oder Brunnen abgepumpt – oftmals auch illegal.

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