Wissenschaftler und Unternehmer wittern Morgenluft – Union und FDP wollen rigiden Kurs ändern
Neue Hoffnung für die grüne Gentechnik

Nicht zuletzt das zweite Gentechnikgesetz verschärfte im vergangenen Jahr die Bedingungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Politiker von Union und FDP haben nun angekündigt, dass sie den bisher rigiden Kurs in Sachen grüne Gentechnik korrigieren wollen, sollten sie im Herbst die Bundestagswahl gewinnen.

DÜSSELDORF. „Unter Laborbedingungen kann man hier fast alles machen, aber der Schritt raus ins Freiland ist zurzeit faktisch nicht machbar“, sagt Ricardo Gent, Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie. Für die Verfechter der neuen Technologie liegen die Vorteile klar auf der Hand: Mit Hilfe der grünen Gentechnik können Nahrungs- und Futterpflanzen resistent gegen Schädlinge und Herbizide werden, sie können extreme Temperaturen wie Hitze oder Kälte besser aushalten und insgesamt einen höheren Ertrag bringen.

Dabei verfolgt die moderne Gentechnik im Prinzip dieselben Ziele wie die traditionelle Pflanzenzüchtung á la Gregor Mendel. Denn mit Hilfe der Mendelschen Vererbungsregeln, die um 1900 wieder entdeckt wurden, versuchen Pflanzenzüchter möglichst viele positive Eigenschaften einer Linie zu vereinigen.

Um die natürliche genetische Vielfalt der Pflanzen zu erhalten, spielt hier zu Lande die Genbank in Gatersleben eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um eine der weltweit größten Kulturpflanzensammlungen, in der rund 150 000 Pflanzen archiviert sind. Jahr für Jahr werden rund 13 000 Muster kostenlos an Pflanzenzüchter und Unternehmen abgegeben. „Wir verfolgen einen bewahrenden Ansatz. Das ist eher das Gegenteil von der grünen Gentechnik“, erläutert Andreas Graner, Leiter der Genbank.

Der traditionelle Züchteransatz stößt an seine Grenzen, das weiß auch Agrarwissenschaftler Graner. Denn mit Hilfe der grünen Gentechnik ist es möglich, nur ein einzelnes Gen gezielt in einen Organismus einzubringen, zum Beispiel Vitamin E in Raps. „Die grüne Gentechnik ist der nächste logische Schritt in der Pflanzenzüchtung“, sagt auch Gerhard Wenzel, Präsident der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung.

Graner ergänzte die Genbank daher um die molekulargenetische Analyse der Pflanzen. Das heißt, durch die Hintertür spazierte die grüne Gentechnik doch noch in die Genbank. Derzeit sind die Forscher in Gatersleben beispielsweise damit beschäftigt, das Genom der Gerste zu entschlüsseln. Ein Genom, das im Übrigen weitaus komplexer als das des Menschen ist. „Wir brauchen die Genomforschung, um die Funktion einer Pflanze zu verstehen“, sagt Graner.

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