Wissenschaftspublizistik
Der Fluch des Ruhms

Nur Erfolgsmeldungen sind in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichungsfähig. Dieses Publikationssystem verzerrt die Forschungswirklichkeit und kann dadurch Fehlinvestitionen bewirken.

DÜSSDELDORF. "Der menschliche Intellekt ... wird stärker ergriffen von Positivem als von Negativem", bemerkte der Philosoph Francis Bacon im Jahr 1621. Das gilt zumindest für das wissenschaftliche Publikationssystem immer noch: Nur die spektakulären, positiven Forschungsresultate finden Eingang in die großen wissenschaftlichen Zeitschriften und damit ins öffentliche Bewusstsein. Negative Ergebnisse dagegen finden kaum Beachtung - im Gegensatz zu politischen Nachrichten.

Publikationen in Fachzeitschriften sind die Währung der Wissenschaft. Wer als Wissenschaftler in bedeutenden Journalen publiziert, wird oft zitiert und erlangt einen höheren Bekanntheitsgrad - wesentliche Bedingungen für eine wissenschaftliche Karriere. Die Veröffentlichung in einem unbekannten Journal gelte dagegen oft als "the final registration to oblivion", die letzte Aufmerksamkeit, bevor man in Vergessenheit gerät, schreibt eine Forschergruppe um Neal S. Young vom International Health Institute in Bethesda bei Washington. Die Forscher beleuchten das Publikationssystem unter wirtschaftlichen Kriterien.

"Wissenschaftliche Informationen sind wirtschaftliche Bedarfsartikel und wissenschaftliche Magazine das Werkzeug, um diese zu verbreiten", heißt es in dem Artikel. Dabei entstehe allerdings ein "verzerrtes Bild der Forschungswirklichkeit". Den Vorgang vergleichen die Forscher mit einem bekannten ökonomischen Konzept: Dem "Winner?s Curse", dem Fluch des Siegers.

Bieten etwa Ölfirmen bei Auktionen um Bohrrechte, dann ermitteln sie zuvor den Wert des Ölvorkommens und den geschätzten Gewinn. Im Durchschnitt spiegeln die Berechnungen verschiedener Firmen vermutlich die Realität wider. Am meisten wird allerdings die Firma bieten, die den höchsten Wert errechnet hat - und dieser wird nicht selten über dem Durchschnitt liegen. Damit bezahlt der Gewinner mehr, als das Produkt tatsächlich wert ist.

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