Wo die Zukunft entsteht
Wenn die Autos fliegen lernen

Neue Technologien verändern unsere Art zu arbeiten, zu leben und manchmal auch zu denken. Handelsblatt-Reporter haben die Labore der zehn innovationsfreudigsten Konzerne besucht und einen Blick in die Zukunft geworfen.
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Düsseldorf/New YorkDer Vorstand des Autokonzerns BMW betraute seinen Entwickler Ulrich Kranz 2007 mit einem geheimen Projekt. Der Auftrag lautete kurz und knapp: "Entwickeln Sie das Auto der Zukunft, um BMW fit fürs kommende Jahrzehnt machen!" Eine gewaltige Herausforderung, zumal Kranz im Vorfeld nur eines erhielt: die Lizenz zum Spinnen. Bewährte Technologien wie Verbrennungsmotor und Metallkarosserie versprachen keine Lösungen mehr, sie stellten allenfalls Probleme dar.
Also ging der Leiter der Mission "Project i" ans Werk und schickte seine Tüftler hinaus in die Welt. Das Forscher-Team nahm sich Zeit, potenziellen BMW-Kunden zuzuhören, sie zu beobachten: Wie fahren die Menschen in Metropolen wie Schanghai oder New York zur Arbeit, wie erledigen sie ihre Einkäufe? Wie sehen die Lebensgewohnheiten derer aus, die kein Auto benutzen? Wäre ein Auto mit Elektroantrieb auch ohne dichtmaschiges Ladenetz praktikabel?

Schon hebt das Auto ab und fliegt zum Zielort

In zwei Jahren will Kranz Antworten liefern - und Resultate vorzeigen: Dann soll sein Auto der Zukunft, das Megacity Vehicle, unter der Submarke "BMW i" auf den Markt kommen: angetrieben mit Strom aus der Steckdose, gefertigt aus ultraleichtem Karbon. Ob das ausreichen wird in einer Welt, die sich immer schneller dreht?

Der amerikanische Industrie-Riese Boeing denkt bereits einen radikalen Schritt weiter. Stau, schlechte Luft, Hupkonzert? Kein Problem. Den Schalter umgelegt, schon hebt das Auto ab und fliegt zum Zielort. Die Idee ist keine Spinnerei eines Comic-Zeichners, sondern ein Projekt von "Phantom Works", einer Forschungsgruppe bei Boeing. 4 500 Mitarbeiter des US-Konzerns suchen nach den Technologien von morgen und übermorgen.

Ihre Spitzenforscher, unter anderem eine Avantgarde-Abteilung namens "White Space", sitzen an 500 verschiedenen Projekten: An der superschnellen Drohne etwa, die über selbst erzeugte Überschallwellen reitet. An einem Transportflugzeug, das zehn Tage in der Luft sein kann. Und eben am fliegenden Auto. Rein technologisch betrachtet könnten Autos eines Tages tatsächlich über städtische Zonen fliegen, heißt es bei Boeing. Die wahre Herausforderung liege in der Koordination des Luftverkehrs und darin, wie sehr man das Vehikel vom Fahrer selbst lenken lassen darf.

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