Wundermittel wirkt
Probiotika im Joghurt schützen den Darm

Probiotika gelten als ein Wundermittel moderner Ernährung. Die Bakterienkulturen, die vor allem Milchprodukten zugesetzt werden, sollen Krankheiten vorbeugen, deren Heilung beschleunigen und für Wohlbefinden sorgen. Neueste Forschungen ergeben: Nicht nur der Glaube versetzt Berge – Probiotika wirken tatsächlich.

HB DÜSSELDORF. Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) haben jetzt nachgewiesen, dass Kulturen des Bakterienstamms „E. coli Nissle“ tatsächlich Darmerkrankungen lindern können. In seiner Publikation beschreibt das HZI-Team, dass die Bakterien die Darmoberfläche widerstandsfähiger machen, indem sie den Zusammenhalt der sogenannten Epithelzellen stärken. Die Forscher haben ihr Arbeit im Wissenschaftsportal PLoS One publiziert.

Der menschliche Darm ist ein komplexes Ökosystem. Dort leben riesige Mengen an Bakterien, die so genannte Darmflora. Sie hilft uns beim Verdauen der Nahrung. Die Oberfläche des Darms hat die Aufgabe, die Bakterien von unserem Körperinneren abzuschotten. Gelangen Mikroorganismen durch das Darmepithel in den Körper, kann es zu schweren Erkrankungen kommen. Bei chronischen Darmentzündungen ist dies der Fall.

Die Forscher konnten an Mäusen mit defekter Darmoberfläche zeigen, dass die Einnahme von E. coli Nissle die Krankheitssymptome abschwächt. „Probiotika wirken tatsächlich – nicht nur der Glaube daran“, sagt HIZ-Forscherin Astrid Westendorf. Die Biologin untersuchte Mäuse, die keine natürliche Darmflora besitzen. Ein Teil dieser Mäuse erhielt mit dem Futter E. coli Nissle. „Bei diesen Tieren konnten wir nachweisen, dass vermehrt Proteine gebildet werden, die den Zusammenhalt der Epithelzellen stärken. Bei der Vergleichsgruppe war das nicht der Fall“, sagt Westendorf.

Dieses erste Ergebnis wurde dann an Mäusen überprüft, die an Kolitis litten. Eine Analyse des Darmgewebes ergab auch hier: Die Epithelzellen hatten die Produktion der Proteine gesteigert, die ihren Zusammenhalt stärken. „Unsere Arbeit eröffnet neue Perspektiven bei der Suche nach Therapien für chronische Darmerkrankungen“, ist sich Westendorf sicher. Die Forscher untersuchen jetzt, ob sich Probiotika auch für die Behandlung weiterer chronischer Erkrankungen einsetzen lassen.

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