„X-Plane“ Neuer Überschalljet der Nasa fliegt ohne Knall

Statt eines Überschallknalls soll es sich anhören wie eine zuschlagende Autotür. Die Nasa hat einen neuen Jet in Auftrag gegeben: „X-Plane“.
Update: 04.04.2018 - 10:18 Uhr 1 Kommentar
Die Computergrafik zeigt das Modell des "X-plane". Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat das Design für ihren geplanten Überschalljet vorgestellt. Quelle: dpa
Nasa präsentiert Design für Überschalljet

Die Computergrafik zeigt das Modell des "X-plane". Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat das Design für ihren geplanten Überschalljet vorgestellt.

(Foto: dpa)

WashingtonDie US-Raumfahrtbehörde Nasa hat einen neuen Überschalljet in Auftrag gegeben - einen ohne Überschallknall fliegenden. Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der für die Nasa schon länger an einem Konzept dafür feilt, sei mit Entwurf, Bau und Test des „X-Plane“ beauftragt worden, teilte die Raumfahrtbehörde am Dienstag (Ortszeit) in Washington mit. Beim Fliegen mit Überschall ist die Fluggeschwindigkeit größer als die Schallgeschwindigkeit in der Umgebung des Flugzeuges.

Mit dem Projekt rückt eine Rückkehr des Überschallflugs rund 15 Jahre nach dem Aus der legendären Concorde näher. Auf den Strecken von Paris und London nach New York war der elegante schneeweiße Überschalljet mit den Deltaflügeln und der spitzen Nase einst das Nonplusultra. Vor knapp 18 Jahren war die Concorde-Katastrophe von Paris mit 113 Todesopfern dann der Anfang vom – wohl nur vorläufigen – Ende.

Ein Prototyp des neuen „X-Plane“ soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein. Der Rüstungskonzern erhält 247,5 Millionen Dollar (etwa 200 Millionen Euro) für das Projekt. Der Jet soll in etwa 16 Kilometer Höhe mit rund 1500 Kilometern pro Stunde fliegen - und anstelle eines lauten Knalls nur ein Geräusch erzeugen, das so laut ist wie das Zuschlagen einer Autotür. „Es ist super aufregend, in diesem Umfang X-Planes zu designen und zu fliegen“, sagte der Nasa-Experte Jaiwon Shin.

Umstrittene Königin der Lüfte
Königin der Lüfte
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Manche nannten sie "Donnervogel", andere sprachen vom "fliegenden Kugelschreiber" oder sogar von einer "Königin der Lüfte". Vor fast 50 Jahren, am 2. März 1969, startete das Überschallflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu seinem 29 Minuten langen Jungfernflug. Gut einen Monat danach, am 9. April, folgte der Erstflug des britischen Prototypen. (Foto: ap)

Von Anfang an umstritten
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Die Concorde war von Anfang an umstritten. Ihre zahlreichen Fans waren von der Technik des 62,10 Meter langen Flugzeug mit einer Spannweite von nur 25,55 Meter und einer Höchstgeschwindigkeit von 2405 Stundenkilometern begeistert. (Foto: ap)

Als Umweltverschmutzer verschrien
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Andere sahen in der Concorde eine Krachmacherin und Umweltverschmutzerin. So lag der Treibstoffverbrauch auf der Strecke Paris-New York bei 17 Litern pro 100 Passagierkilometern (bis zu 23.000 Liter Kerosin in der Stunde). Zum Vergleich: Das Riesenflugzeug Airbus A380 fliegt heute im Bereich von drei Litern Treibstoff pro Passagier auf 100 Kilometer. (Foto: rtr)

Geringe Reichweite
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Der erste Linienflug der Concorde erfolgte am 21. Januar 1976 zwischen Paris und Rio de Janeiro. Nur wenig später wurde die Strecke Paris - Caracas mit einem technischen Aufenthalt in Santa Maria gestartet. Doch beide Dienste wurden bereits am 1. April 1982 eingestellt. Die relativ geringe Reichweite der Concorde (6250 Kilometer) stellte ein Problem dar - sie machte bei Langstrecken zeitraubende Zwischenstopps notwendig. (Foto: dpa)

Lästiger Überschallknall
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Zudem war die Concorde besonders laut: Der charakteristische Knall beim Durchbrechen der Schallmauer führte dazu, dass die meisten Länder dem Jet nur eine Überfluggenehmigung für Geschwindigkeiten unter der Schallgrenze erteilte. So konnte der Pilot nach dem Start in Europa erst auf dem Atlantik richtig Gas geben. Das schränkte die Einsatzmöglichkeiten und den Zeitgewinn erheblich ein. (Foto: ap)

Stars und Sternchen waren Dauergäste
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Dennoch gab es zur Einsatzzeit kaum einen Staatsmann von Bedeutung, der nicht einmal mit einer Concorde flog. Stars und Sternchen waren Dauergäste, allen voran die Formel 1-Fahrer und die Tennisstars. Margaret Thatcher fühlte sich an Bord genauso wohl wie Queen Elizabeth oder Papst Johannes Paul II, der mit der französischen Concorde F-BTSC am 2. Mai 1989 von La Réunion nach Lusaka in Sambia flog. (Foto: dpa)

In dreieinhalb Stunden von Europa nach New York
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Wer zwischen 10 und 11 Uhr morgens Europa verließ, kam rechtzeitig zum Frühstück um 9 Uhr in New York an. Gewöhnlich dauerte ein Flug von Europa nach New York rund dreieinhalb Stunden. Manchmal ging es sogar noch schneller. Ganz selten wurde eine Flugzeit von unter drei Stunden erreicht. Das waren 30 Stunden weniger als Charles Lindbergh 1927 bei seiner berühmten Nordatlantiküberquerung benötigt hatte. (Foto: ap)

Sobald der Prototyp des „X-Plane“ fertig ist, will die Nasa selbst weitere Tests durchführen und ab Mitte 2022 dann bei Flügen über ausgewählten Regionen der USA weitere Daten sammeln. Neben der Nasa und Lockheed Martin arbeiten derzeit auch andere Unternehmen an Überschalljets.

Am 24. Oktober 2003 war der letzte kommerziell genutzte Überschall-Jet der Betreiber British Airways und Air France in London gelandet. Das Flugzeug ermöglichte es Jetsettern und Topmanagern ein Vierteljahrhundert lang, binnen dreieinhalb Stunden von Europa nach New York zu fliegen.

Im Juli 2000 kam es dann zur Katastrophe: Kurz nach dem Start vom Flughafen Paris verunglückte eine Concorde, alle 109 Insassen sowie vier Menschen am Boden starben. Ursache des Unglücks war ein auf der Startbahn liegender Blechstreifen.

Hinzu kamen die Luftfahrtkrise nach dem 11. September 2001 und rasant steigende Wartungskosten. Angesichts hoher Verluste war 2003 Schluss. An Plänen für einen Überschall-Nachfolger mangelte es seither nicht. Realisiert wurden sie bislang nicht.

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1 Kommentar zu "„X-Plane“: Neuer Überschalljet der Nasa fliegt ohne Knall"

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  • NASA ist ein Witz. Die haben nicht mal Trägersysteme um ihre eigenen Leute ins All zu bringen und sind auf Russen angewiesen.

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