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Zeitschrift: Tollwut kann sich wieder in Westeuropa ausbreiten

Vermehrte Tollwutfälle bei Füchsen in Westeuropa haben zu verstärkten Impfungen geführt. In vier deutschen Bundesländern und im benachbarten Ostfrankreich gebe es wieder groß angelegte Impfaktionen für die Tiere.

dpa LONDON/WUSTERHAUSEN. Vermehrte Tollwutfälle bei Füchsen in Westeuropa haben zu verstärkten Impfungen geführt. In vier deutschen Bundesländern und im benachbarten Ostfrankreich gebe es wieder groß angelegte Impfaktionen für die Tiere.

Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ (Bd. 2 493, S. 12) in seiner kommenden Ausgabe (Samstag). Eine unzureichende Bekämpfung der Infektionskrankheit in Hessen scheine der Ursprung der neuen Ausbreitung der Gefahr zu sein. Bereits tollwutfreie Staaten wie Frankreich, Belgien und die Schweiz befürchteten ein erneutes Eindringen der gefährlichen Krankheit, falls sie nicht massiv mit Impfaktionen eingedämmt würde.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Wusterhausen bei Berlin bestätigte am Mittwoch, dass sich die Tollwut bei Füchsen von Hessen ausgehend wieder auf die Nachbarländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ausgebreitet hat. Allein in diesem Jahr seien in Hessen mindestens 2, in Rheinland-Pfalz 18 und in Baden-Württemberg vier tollwütige Füchse oder andere Waldtiere gefunden worden. Rheinland- Pfalz hatte von 1998 bis 2004 und Baden-Württemberg von 1996 bis 2004 als tollwutfrei gegolten.

Das hessische Umweltministerium betonte, 2004 habe es einen „Strategiewechsel“ hin zu einer Intensivierung der Schluckimpfungen für Füchse gegeben. Nacheinander seien im vergangenen Jahr in dem Bundesland in vier großen Aktionen über 650 000 Impfköder von Flugzeugen abgeworfen oder von Helfern am Boden verteilt worden. Die Aktion habe insgesamt mehr als 500 000 Euro gekostet. 2005 werde dies im gleichen Ausmaß wiederholt.

Auch der Leiter des Nationalen Referenzlabors für Tollwut beim Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Thomas Müller, sagte: „Wir haben die Impfstrategien in Zusammenarbeit mit den Bundesländern verbessert. Unser Ziel ist, dass wir noch in diesem Jahr die letzten Tollwutfälle in Deutschland haben.“

Dafür würden mehr als eine Million Impfköder auf insgesamt rund 24 000 Quadratkilometern in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden- Württemberg und vorsorglich auch in Bayern ausgebracht. Wo es nötig sei, werde die Impfaktion im Abstand von jeweils sechs Wochen mehrmals wiederholt.

Ohne Impfung verläuft die Krankheit sowohl bei Tieren als auch bei Menschen tödlich. Weltweit sterben jährlich 40 000 bis 70 000 Menschen daran. In Deutschland treten allerdings nur Einzelfälle auf. In Marburg ringt derzeit ein Tollwut-Patient mit dem Tode, der Organe einer Spenderin erhalten hat, die sich vermutlich in Indien mit dem Virus infiziert hatte.

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