Ziel erreicht
"Discovery" dockt an ISS an

Die US-Raumfähre "Discovery" hat am Donnerstag ohne Probleme an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Die Fähre soll eine Woche an der Station bleiben.

HB HOUSTON. Der Aufenthalt an der Raumstation dient den Astronauten vor allem dazu, rund 15 Tonnen an Ausrüstung und Vorräten zu übergeben, darunter etwa Glühbirnen und Laptops. Auf ihrem Rückflug nehmen die Astronauten wiederum 13 Tonnen Müll mit.

Nach dem problematischen Start und den entstandenen Schäden am Hitzeschild soll während des Aufenthalts außerdem die Hülle der "Discovery" nach etwaigen Schäden untersucht werden. Zwar gibt es bislang noch keine genauen Berichte darüber, wie schwer die Schäden an der "Discovery" sind. Die Nasa hat jedoch bis zur Klärung des Problems alle Starts von Raumfähren abgesagt. Dennoch beteuert die Nasa auch weiterhin, sie habe volles Vertrauen in das Hitzeschild.

Beim Anflug an die Internationale Raumstation ISS wurden die beschädigten Stellen gefilmt, und am Freitag sollen sie mit einem Laser des "sehenden Roboterarms" an der Raumfähre gescannt werden. Erst danach weiß die Nasa genau, ob sie sich auf eine spektakuläre Rettungsaktion der siebenköpfigen Crew oder eine normale Rückkehr der "Discovery" einstellen kann.

Der einfachste und von der Crew bevorzugte Rettungsplan schied schon am zweiten Tag nach dem Start aus. Die Nasa kann derzeit kein anderes Space-Shuttle zur ISS fliegen lassen, um die Crew im Ernstfall dort abzuholen. Weil sich wieder ein großes Stück Schaumstoffisolation vom Außentank der Raumfähre löste, werden die beiden anderen Space-Shuttle, die "Atlantis" und die "Endeavour", bis zur Lösung des Problems am Boden bleiben. Sonst hätte die "Atlantis" nach den Worten von Programmdirektor Bill Parsons innerhalb von 25 bis 30 Tagen für einen Rettungsflug flott gemacht werden können.

Selbst die letzte verbliebene Option der Nasa, allein aus eigener Kraft und ohne Prestigeverlust die Astronauten zurückzuholen, hat ihre Tücken. An Bord der "Discovery" befindet sich erstmals ein Notfallkoffer zur Reparatur der Außenhaut. Die Besatzung soll während der Weltraumausflüge zwei neue Techniken zur Reparatur von Hitzekacheln und der besonders verstärkten hitzebeständigen Schicht an der Nase und den Flügeln testen. Dabei wird eine Art klebrige Masse auf beschädigte Stellen aufgetragen.

Eine dritte neue Technik sieht vor, eine Spindel mit einem flachen Metalldeckel in das betreffende Loch in der Außenhaut einzulassen. Das Metallschild würde die beschädigte Stelle wie ein Schirm schützen, schreibt die "Los Angeles Times". Die Astronauten hätten aber zu verstehen gegeben, dass sie nur sehr widerwillig ihr Leben einer noch nie zuvor getesteten Technologie anvertrauen würden.

Ein unbefristeter Aufenthalt der Crew in der Internationalen Raumstation hängt vor allem davon ab, wie lange die Nasa bis zur Lösung ihres Problems mit dem Schaumstoff braucht und wie der Nachschub an Verpflegung organisiert wird. Nach Einschätzung russischer Experten reicht im Notfall das Essen und Trinken nur einen Monat. Der nächste unbemannte Transportflug mit einem russischen Raumfrachter vom Typ Progress zur Versorgung der ISS ist erst für den 8. September geplant.

Abgesehen vom Prestigeverlust für die Nasa ist es nach Ansicht der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos grundsätzlich nicht möglich, die "Discovery"-Besatzung mit russischer Technik zur Erde zurückzubringen. Für die mitunter harte Landung der russischen "Sojus"-Kapseln müsse jeder Kosmonaut an Bord in speziell auf ihn zugeschnittenen Schalensitzen festgeschnallt werden. Diese russischen Sonderanfertigungen gebe es für die sieben "Discovery"-Astronauten aber nicht. Zudem sei die US-Crew körperlich nicht auf eine Landung in der an einem Fallschirm hängenden Kapsel vorbereitet. Selbst wenn man das Risko einginge, bleiben nach Einschätzung russischer Experten bilaterale Hindernisse. Für die Rettung wären drei "Sojus"-Kapseln notwendig, die die Nasa bei den Russen kaufen müsste. Bislang verbiete aber ein Gesetz in den USA den Erwerb russischer Raumfahrttechnik.

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