Zivile Luftfahrt will sich besser schützen
Mikrowellen wehren Raketen ab

Mehrmals stand die Gefahr unmittelbar bevor: Im November 2003 musste eine Maschine der deutschen Frachtfirma DHL notlanden, als sie in Bagdad nach dem Start von einer Rakete getroffen wurde. Ein Jahr zuvor entkamen die 271 Passagiere der israelischen Fluggesellschaft Arkia nur um Haaresbreite im kenianischen Mombasa einer Katastrophe, weil die Terroristen mit ihren Geschossen offenbar nicht richtig zielen konnten.

HB DÜSSELDORF. Sicherheitsexperten sind sich einig: Die Bedrohung ziviler Flugzeuge durch mobile, von der Schulter abgefeuerte Flugabwehrraketen („Manpads“) steigt. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit bis zu 30 extremistische Vereinigungen über diese Boden-Luft-Raketen verfügen. Völlig offen ist bislang, ob und wie sich die zivile Luftfahrt vor dieser Bedrohung schützen kann.

Die Rüstungsindustrie forscht deshalb an einer Reihe von Technologien. Dahinter steht auch politischer Druck: Die US-Heimatschutzbehörde hat Firmen wie Northrop Grumman, BAE Systems oder Raytheon beauftragt, die militärischen Raketenabwehrsysteme auf ihre zivile Tauglichkeit zu testen und neue Lösungen zu erforschen. Ziel der Regierung ist es, die knapp 7 000 US-Passagierflugzeuge gegen die Manpads zu schützen. Pikant daran: Konzerne wie Raytheon sind auch die führenden Hersteller der mobilen Raketenwaffen.

Dafür gilt ein Konzept von Raytheon gegen die eigenen Produkte als vielversprechend. Infrarotsensoren am Boden schaffen einen „Schutzraum“ über dem Flughafen, der das Eindringen einer Rakete in den Start- und Lande-Luftraum meldet. Eine Maschine in Reiseflughöhe ist für die kleinen Raketen zu hoch. Kern des Konzepts ist eine Anlage, die dann gezielte Hochleistungs-Mikrowellen zur Ablenkung der Raketen erzeugt. Der Clou daran: Nicht hunderte Flugzeuge werden mit der Raketenabwehr ausgerüstet, sondern nur die Flughäfen.

Selbst Wettbewerber von Raytheon sehen das Potenzial des Konzepts. Doch auf der praktischen Ebene sind noch Fragen offen, zum Beispiel die der Wirkung der Mikrowellen auf die sensible Elektronik anderer Flugzeuge. „Wenn schon ein Handy an Bord eine Gefahr darstellt, wie steht es dann mit elektromagnetischen Feldern?“, fragt Sascha Lange, Rüstungsexperte bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Auch müssen die Sensoren bei großen Flughäfen ein riesiges Gebiet abdecken: 40 Kilometer Ausdehnung am Boden und eine Höhe bis zu 10 000 Meter – dafür wäre eine sehr hohe Anzahl vonnöten.

Seite 1:

Mikrowellen wehren Raketen ab

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%