Zoologie
Ratten wehren sich mit Giftkanülen

Afrikanische Mähnenratten haben vor großen Raubtieren keine Angst. Sie können einen speziellen Giftcocktail anrühren, der Fressfeinden die Lust am Zubeißen nimmt.
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HeidelbergDie afrikanische Mähnenratte Lophiomys imhausi fällt durch ihr Äußeres und ihr merkwürdiges Verhalten auf: Sie gibt sich auch in der Gegenwart hungriger Raubtiere ziemlich gleichgültig, um dann aber, sobald sie als Beute auserkoren und angegriffen wird, nicht zu fliehen, sondern eine bizarre frontale Abwehrstellung einzunehmen. Dabei spreizt sie Teile ihres Fells ab und präsentiert eine auffällig schwarzweiß gemusterte Irokesenfrisur.

Überraschenderweise endet dieser Auftritt meist mit dem Rückzug des überlegenen Raubtieres statt dem Tod des übermütigen Nagers. Und zwar wohl deshalb, weil die Ratte sich mit einem hochwirksamen Gift ungenießbar gemacht hat, wie britische Wissenschaftler ermittelten.

Das Team um Fritz Vollrath von der Oxford University konnte diese zuvor unbewiesene Theorie mit einer Reihe von Untersuchungen belegen. Zunächst beobachteten die Forscher die Nager beim Verzehr einer in ihrem Verbreitungsgebiet heimischen Giftpflanze, dem Hundsgiftgewächs Acokanthera schimperi. Die Ratte zerkaut dabei ausgiebig Borke und Wurzeln der Pflanze, um dann ein Gemisch aus Speichel und Pflanzensud über ausgewählte Partien des eigenen Körperfells zu verteilen. Blätter und grüne, unreife Früchte der Pflanze verschmäht der Nager dagegen.

Gerade die bevorzugt zerkauten Pflanzenteile enthalten zwei verschiedene Toxine, darunter eines, das dem als tödliches Pfeilgift ostafrikanischer Elefantenjäger berüchtigten Strophanthin stark ähnelt. Besonders dieses hochpotente Gift reichert sich im Zuge des Zerkauens im Speichel-Pflanzensud an, wie spektroskopische Analysen zeigen.

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Haare als Giftkanüle

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